FPU
Abkürzung für Floating-Point Unit.
FPU: der Chip für schnelle Dezimalrechnung
Eine Gleitkommaeinheit ist ein spezialisierter Prozessor oder Koprozessor, der Rechenoperationen auf Zahlen mit Dezimalstellen ausführt. Während die Integer-Schaltungen einer CPU ganze Zahlen effizient verarbeiten, führt eine FPU Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division und weitere Operationen auf Werte wie 3,14159 oder 2,5e-7 mit Hardwaregeschwindigkeit aus. Diese Trennung ermöglicht es, eine Maschine zu optimieren: schnelle Integer-Logik für Kontrollfluss, dedizierte Schaltungen für Ingenieur- und wissenschaftliche Berechnungen.
Moderne Prozessoren integrieren die FPU üblicherweise direkt in den Hauptchip, weshalb die Unterscheidung heute mehr historisch als physisch ist. In älteren Systemen, besonders Intel-x86-Maschinen der 1980er und frühen 1990er Jahre, war die FPU ein separater Socket oder eine Steckkarte. Der Intel 8087 Koprozessor von 1980 wurde zum Standard; Maschinen ohne ihn griffen auf Software-Emulation zurück und liefen bei Gleitkommaoperationen etwa 50 bis 100 mal langsamer. Ein Motorola 68040 oder früher Pentium integrierten die Einheit auf dem Die und markierten damit das Ende der Koprozessor-Ära für Standardsysteme.
Standards und Genauigkeit
FPU-Designs folgen dem IEEE-754-Standard, der festlegt, wie 32-Bit (einfache) und 64-Bit (doppelte) Genauigkeit für Zahlen dargestellt und gerundet werden. Eine FPU verwaltet einen internen Stapel oder eine Reihe von Registern, typischerweise mit 80-Bit erweiterte Genauigkeit, um die Genauigkeit über Rechenketten hinweg zu bewahren, bevor das Endergebnis gerundet wird. Diese zusätzliche Genauigkeit bei Zwischenschritten verhindert, dass sich Rundungsfehler in langen Operationsfolgen akkumulieren, ein kritisches Merkmal in der Industriesteuerung, CAD und Simulation.
Industrieausrüstungen mit Bewegungssteuerung, Temperaturmodellierung oder Echtzeit-Signalverarbeitung sind auf FPU-Leistung angewiesen. Eine SPS oder Bewegungssteuerung ohne angemessene Gleitkomma-Fähigkeit wird bei der Abstimmung von Servo-Regelkreisen oder Fluiddynamik-Berechnungen in Schwierigkeiten geraten. Moderne eingebettete Systeme und Mikrocontroller enthalten oft eine FPU (oder verzichten darauf, um Kosten und Stromverbrauch zu senken), eine Entscheidung, die bestimmt, ob das Gerät Steueralgorithmen direkt ausführen kann oder Berechnungen an einen Host auslagern muss.
Der Begriff FPU bleibt in Datenblättern und Benchmarks bestehen, obwohl die Einheit keine separate Hardware mehr ist. Sie finden ihn in Prozessor-Spezifikationen, die Ausführungsports, Pipeline-Stufen und Latenzen beschreiben; 'FPU-Durchsatz' bedeutet, wie viele Gleitkommaoperationen pro Taktzyklus der Kern bewältigen kann. In Diagnosen und Code auf Assembler-Ebene wird die FPU immer noch als eine eigenständige Einheit benannt und adressiert, was das Konzept lebendig hält, lange nachdem die Grenze zwischen ihr und dem Integer-Core verschwunden ist.