Integrationszeit
Englisch: integration time
Bei einem elektronischen System der Zeitraum, in dem ein verrauschtes Signal gemittelt wird, um das Signal-Rausch-Verhältnis zu verbessern.
Integrationszeit: wie lange du im Durchschnitt das Rauschen unterdrückst
Integrationszeit ist das Zeitfenster, in dem ein Messinstrument ein Signal sammelt und mittelt, bevor es einen Messwert ausgibt. In der Praxis bedeutet das: Der Sensor erfasst Ladungs-, Strom- oder Spannungsdaten über einen definierten Zeitraum, dann werden diese addiert oder gemittelt. Längere Integrationsfenster reduzieren Rauschen, indem zufällige Schwankungen über mehr Messwerte verteilt werden und das wahre Signal relativ zum Jitter stärker wird. Ein auf 1 Sekunde eingestelltes Voltmeter unterdrückt Rauschfrequenzen über etwa 1 Hz; eines mit 10 Millisekunden Integrationszeit lässt schnellere Schwankungen durch, hinterlässt aber weniger Rauschen.
Verschiedene Instrumente nutzen Integrationszeit unterschiedlich. Lock-in-Verstärker verwenden sie als Filterzeitkonstante, typischerweise von Mikrosekunden bis Sekunden je nach Modulationsfrequenz und erforderlicher Empfindlichkeit. CCD- und CMOS-Bildsensoren nutzen sie als Belichtungszeit: Photonen treffen den Detektor exakt solange, bis die Pixelwerte ausgelesen werden. Digitale Multimeter lassen dich oft zwischen "schnell" (etwa 100 ms) und "langsam" (1 Sekunde oder mehr) wählen, was in Wirklichkeit nur getarnte Integrationszeit-Einstellungen sind.
Der Nachteil langer Integrationszeiten sind Latenz und reduzierte Messrate. Bei einem Integrationsfenster von einer Sekunde kannst du nur einen neuen Datenpunkt pro Sekunde erfassen. In Echtzeit-Regelschleifen oder bei schnellen Transienten-Messungen wird das zum ernstlichen Problem. Kurze Integrationszeiten bedeuten dagegen noisigere Messwerte und geringere Empfindlichkeit. Die Wahl ist immer ein Kompromiss: Daten schnell erfassen mit mehr Rauschen, oder länger warten für saubere Zahlen.
Matched Filtering und Bandbreite
Der Name "Integration" kommt aus dem mathematischen Akt des Summierens oder Integrierens des Signals über die Zeit. Formal wirkt längere Integration als Tiefpass-Filter, dessen Grenzfrequenz umgekehrt proportional zum Integrationsfenster ist. Integriere T Sekunden lang, und du schwächst Frequenzen über etwa 1/T Hertz ab. Darum verschwindet Netzbrumm (50 oder 60 Hz) bei 1 Sekunde Integrationszeit auf einem Labormessgerät: Das Mittelungsfenster schluckt die Oszillation komplett.
Im Sensor-Design bestimmt Integrationszeit auch das Verhalten des Dynamikbereichs. Ein CCD-Pixel, der zu lange integriert, "blüht auf": Angesammelte Ladung läuft in benachbarte Pixel über. Zu kurz, und du sammelst bei schlechten Lichtverhältnissen zu wenig Licht, verschwendest Sensorfläche für Rauschen. Richtige Integrationszeit-Wahl ist einer der ersten Schritte beim Design eines Messsystems für eine spezifische Signalbandbreite und Rauschniveau, weil alle nachfolgenden Entscheidungen über Verstärkung, Filterung und Abtastrate darauf aufbauen.