Orograph
Englisch: orograph
Ein Gerät zur Herstellung topographischer Karten, das über das Gelände geschoben wird und Entfernungen sowie Höhen aufzeichnet.
Orograph: mechanischer Geländeerfasser mit Laufwerk
Ein Orograph ist ein Vermessungsinstrument, das beim Überqueren einer Landschaft gleichzeitig horizontale Entfernung und vertikale Höhe aufzeichnet. Das Gerät verbindet ein Messbrett für Distanzen mit einem Klinometer oder ähnlichem Mechanismus für Neigungen und erzeugt dabei ein kontinuierliches Geländeprofil. Der Bediener folgt dem echten Geländeverlauf, und das Instrument markiert oder zeichnet diese Messungen unmittelbar auf, ohne dass separate Distanz- und Winkelbeobachtungen nötig sind, die sonst im Büro berechnet werden müssten.
Der mechanische Orograph arbeitet nach einfachen Prinzipien: Ein geeichtes Rad rollt über den Untergrund und treibt einen Zähler oder eine Aufzeichnungstrommel an; gleichzeitig reagiert ein Pendel, eine Libelle oder ein geeichter Arm auf den Neigungswinkel und koppelt diesen mechanisch mit dem Aufzeichnungsmechanismus. Das Ergebnis ist normalerweise eine Papierrolle oder ein Diagramm, das die Höhenänderung über der horizontalen Entfernung zeigt und so ein Geländeprofil oder Querschnitt entsteht. Manche Modelle zeichnen Daten auf eine sich drehende Trommel auf, andere nutzen einen Schreibstift auf einem beweglichen Papierstreifen, der sich mit der erfassten Entfernung vorwärtsbewegt.
Ausführungsvarianten und praktische Grenzen
Orographen unterscheiden sich in ihrer Methode zur Höhenmessung. Einige nutzen einen einfachen geneigten Arm oder ein Pendel, das mit der Schwerkraft schwingt und direkt proportional zum Neigungswinkel ist. Andere arbeiten mit einer Dosenlibelle und einem geeichten Zeiger. Das Messbrett hat fast immer einen festgelegten Umfang, typischerweise zwischen 0,5 und 1 Meter, um Genauigkeit und Empfindlichkeit über relativ kurze Entfernungen zu sichern. Das Gerät funktioniert am besten auf mäßigen Hängen und ausgebauten Wegen; steiles Gelände, dichter Bewuchs und weicher Untergrund bereiten mechanische und praktische Schwierigkeiten.
Der Orograph war am verbreitetsten in der Zeit vor der elektronischen Vermessung, besonders im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Er bleibt nützlich für schnelle Erkundungsvermessungen, kleinmaßstäbige topographische Aufnahmen und Situationen, in denen elektronische Theodolite oder GPS-Geräte nicht verfügbar oder nicht nötig sind. Die Ergebnisse sind grob im Vergleich zu präziser Theodolitarbeit, zeigen aber sofort und unmittelbar die Geländeform, ohne dass Büroberechnungen erforderlich sind.
Wie alle mechanischen Instrumente dieser Klasse hängt der Orograph ganz von der Arbeitstechnik des Bedieners ab. Ungleichmäßiger Druck auf das Rad, seitliches Abweichen oder fehlerhafte Ausrichtung des Höhensensors führen alle zu Fehlern. Das Instrument zeichnet auf, was der Bediener tatsächlich durchquert hat, nicht was zwischen der durchquerten Linie und angrenzenden Gebieten liegt, daher ist es vor allem für Profilaufnahmen entlang geplanter Strecken geeignet, nicht für Flächenvermessungen.