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Kludge: Vom Provisorium zur Funktionsprobe

Im alltäglichen Sprachgebrauch ist ein kludge eine chaotische Notlösung. In der Werkstatt ist es ein absichtlich gebauter, funktionsfähiger Prototyp, um eine Idee zu überprüfen, bevor man sich auf Werkzeugbau und Serienproduktion festlegt.

Für die meisten Menschen ist ein kludge ein hässliches Provisorium: Isolierband an der Stoßstange, eine wacklige Reparatur, die kaum hält. Das Wort trägt einen Makel. Man baut einen kludge, wenn man nicht weiß, was man tut, oder wenn man zu geizig oder zu faul ist, es richtig zu machen. Es ist ein Synonym für Pfusch, Notbehelf oder Zusammengekleistertes: amateurhaft, provisorisch, unter aller Würde.

In der Werkstatt hat der kludge einen anderen Stellenwert. Er ist ein rohes experimentelles Gestell, eigens gebaut, um zu testen, ob ein Konstruktionsprinzip tatsächlich funktioniert, bevor man Geld in Matrizen, Vorrichtungen und Produktionswerkzeuge steckt. Ein kludge kann aus Schrott zusammengesetzt sein, handgeschweißt, lose verschraubt, mit Standardkomponenten ausgestattet, die im fertigen Teil nie vorkommen werden. Es geht nicht um Haltbarkeit oder Optik. Es geht um Geschwindigkeit und Kosten: Lässt sich das Konzept in ein, zwei Wochen für ein paar Euro beweisen, bevor man Zehntausende in Präzisionsfertigung investiert?

Ein kludge ist erfolgreich, wenn er zeigt, was nicht funktioniert und was doch. Hat er seinen Zweck erfüllt, wird er verschrottet. Das Wissen, das er gebracht hat, fließt in die endgültige Konstruktion ein. In diesem Sinne ist der kludge kein Versagen und keine Schande. Er ist eine notwendige Stufe auf dem Weg von der Idee zur Produktion, ein kleinerer Einsatz, um einen größeren Fehler zu vermeiden.

Die Herkunft des Wortes ist unklar. Es könnte vom deutschen Familiennamen Kluge stammen, oder vom niederländischen klucht (eine Farce), oder es ist einfach eine Lautmalerei für ungelenke Zusammensetzung. Es taucht in der Elektronik in den 1960er Jahren auf, wo kludges häufig waren: Experimentatoren verdrahteten Testschaltungen aus allem, was auf der Werkbank lag. Die Praxis war logisch und wirtschaftlich, und so verbreitete sich der Begriff über Fertigung und Softwareentwicklung überall dort, wo schnelle und billige Fehlversuche besser sind als sorgfältige Planung und teure Irrtümer.

The dictionary entry

kludge (noun, shop talk and trade slang)
An improvised device, typically crudely constructed to test the validity of a principle before implementing a finished design.

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