Kontrastfarbe
Englisch: accidental colour
Eine Farbe, die auf der Überempfindlichkeit der Netzhaut des Auges gegenüber Komplementärfarben beruht. Es sind rein subjektive Farbempfindungen, die oft durch die Betrachtung von tatsächlich farbigen Körpern entstehen.
Nachbildfarbe: die Farbempfindung, die dein Auge erfindet
Nachbildfarbe ist ein visuelles Phänomen, bei dem Auge und Gehirn eine Farbempfindung erzeugen, die im physikalischen Reiz nicht vorhanden ist. Starrt man 30 Sekunden lang auf eine rote Form und blickt dann auf eine weiße Fläche, sieht man ein cyan-farbenes Nachbild, nicht weil cyan-farbenes Licht die Netzhaut trifft, sondern weil die rotempfindlichen Zellen ermüdet sind, während die grünen und blauen Zellen noch ansprechbar bleiben. Das ist kein Defekt, sondern eine vorhersehbare Eigenschaft der Photorezeptor-Anpassung an anhaltende Reizung.
Der Mechanismus liegt in der Rezeptor-Ermüdung und der neuronalen Gegenfarben-Verarbeitung. Zapfen-Zellen reduzieren ihre Signalausgabe schrittweise, wenn sie konstantes Licht einer bestimmten Wellenlänge ausgesetzt sind. Wenn man den Blick auf eine neutrale Fläche richtet, geben die ermüdeten roten Zapfen schwach ab, während frische grüne und blaue Zapfen normal arbeiten. Das Gehirn interpretiert dieses Ungleichgewicht als Cyan, die Komplementärfarbe zu Rot. Der Effekt hält einige Sekunden bis Minuten an, je nach Intensität und Dauer des ursprünglichen Reizes.
Varianten und praktisches Erscheinungsbild
Nachbildfarben variieren in Leuchtkraft und Dauer je nach Beobachtungsbedingungen. Ein kurzer Blick auf ein farbiges Objekt erzeugt ein schwaches, kurzfristiges Nachbild; langes Starren auf hochintensive Farben erzeugt lebhafte, länger anhaltende. Das Phänomen gilt für alle Farbpaare: Blau erzeugt gelbe Nachbilder, Grün erzeugt Magenta-Nachbilder. Wichtig ist, dass der Effekt ursprüngliche Farbsättigung erfordert; die Betrachtung gedämpfter oder entsättigter Objekte erzeugt schwächere oder gar keine Nachbilder.
Bei der optischen Prüfung und Displayarbeit erzeugen Nachbildfarben messbare Probleme. Wenn man die Farbgenauigkeit auf einem Monitor bewertet oder farbige Testmuster betrachtet, kann die Nachbild-Interferenz des Auges echte Farbverschiebungen oder Mängel verdecken. Ähnlich gilt bei der Druckqualitätskontrolle: Langes Betrachten von hochgesättigten Testfeldern führt dazu, dass die Wahrnehmung des Inspektors abweicht und falsche Messwerte entstehen. Daher wird Farbabstimmung typischerweise mit Pausen, neutralen Blicken und ausgeruhten Augen durchgeführt, nicht mit kontinuierlichem Starren.
Der Begriff 'Nachbild' bezieht sich darauf, dass die Farben zufällig zur optischen Szene hinzukommen, nicht von Natur darin enthalten sind; sie sind Folgen menschlicher Physiologie, nicht des Lichts. Dies unterscheidet Nachbildfarbe von Strukturfarbe (die aus physikalischer Interferenz oder Streuung entsteht) und von den tatsächlichen Farben des Bildes selbst.