Bodkin
Englisch: bodkin
Ein spitzes Werkzeug wie eine Pfrieme, früher zum Herunterdrücken einzelner Schriftzeichen (z.B. Buchstaben) aus einer Kolumne oder Seite bei Korrekturen verwendet.
Bodkin: die Präzisionsnadel des Schriftsetzers zum Korrigieren von Lettern
Ein Bodkin ist ein schlankes, spitzes Stahlwerkzeug, das beim Bleisatz zum Manipulieren einzelner Lettern während der Korrektur und beim Umbruch verwendet wird. Das Werkzeug läuft zu einer scharfen Spitze aus, ist typischerweise 10 bis 15 cm lang und wurde wie ein Stift oder Stylus gehalten. Seine Hauptfunktion war es, Lettern seitwärts im Satzschiff zu verschieben oder Zeichen aus ihren Positionen zu heben, ohne die umliegenden Lettern oder das umgebende Material aus Blindmaterial und Ausgleichszeilen zu beschädigen.
Der Bodkin erwies sich als unverzichtbar, weil die Typenkorrektion präzise Arbeit auf engem Raum erforderte. Wenn ein Drucker einen einzelnen fehlgedruckten Buchstaben aus einer gesperrten Kolumne entfernen musste, riskierte er mit plumpen Fingern, die angrenzenden Lettern aus der Fluchtlinie zu bringen oder sie zu verbiegen. Die feine Spitze des Bodkins ermöglichte dem Setzer, gezielt nach unten und seitwärts Druck auf genau eine Letter auszuüben, um sie sauber von ihren Nachbarn zu trennen und sie dann austauschen zu können. Dasselbe Werkzeug konnte auch Lettern, die leicht über die Schriftlinie angeschwollen waren, wieder herunterdrücken (ein häufiges Problem durch Verschleiß oder Setzung), ohne die Druckfläche des Zeichens zu beschädigen.
Der Name stammt vom Bodkin, einem älteren Begriff für einen spitzen Dolch. Schriftsetzer und Drucker übernahmen dieses alltägliche Vokabular, wie sie auch andere kleine Werkzeuge zweckentfremdeten. Der Bodkin lag auf der Setzerbank oder im Werkzeugkasten neben anderen Korrekturwerkzeugen: Pinzetten zum Greifen winziger Stücke, das Zeilenmesser zum Messen der Zeilentiefe und der Schlag und der Schießstab zum Fixieren des Schiffs in der Druckform.
Es gab Varianten, wobei die gerade Konusform Standard war. Manche Druckereien bevorzugten eine leicht abgeflachte oder polierte Spitze, um das Risiko zu verringern, Abdrücke auf der Schriftfläche zu hinterlassen. Der Bodkin war völlig handbetrieben; er erforderte Geschick und eine ruhige Hand, denn ein Ausrutscher konnte eine Letter verbiegen oder dir selbst in den Finger fahren. Es war nie ein Spezialberkzeug, das für eine bestimmte Gießerei oder Region einzigartig war, sondern nahezu jede bedeutende Druckerei hielt mehrere Bodkins als grundlegende Werkzeuge.
Die Rolle des Bodkins nahm nach der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts stark ab, als der Offsetdruck und später der digitale Satz den Bleisatz in der kommerziellen und Zeitungsdruckerei verdrängten. Hobby- und Kunstdrucker, die sich noch mit Bleisatz beschäftigen, verwenden Bodkins immer noch zur manuellen Formgebung und Korrektur, doch die modernen digitalen Proofs und die Vorkontrolle haben die Notwendigkeit für Korrekturen im gesperrten Schiff vermindert. Das Werkzeug bleibt ein erkennbares Zeichen des traditionellen Druckhandwerks.