Bodkin: Vom Dolch zur Setznadel
Ein Bodkin ist allgemein als Dolch oder Nähwerkzeug bekannt, aber in der Druckerei wurde es zum Präzisionsinstrument für das Verschieben von Bleitypen.
Für die meisten ist ein Bodkin ein kleiner Dolch oder ein spitzes Werkzeug zum Nähen und in der Lederbearbeitung; dünn genug, um zu stechen, ohne zu reißen. Das Wort hat einen historischen Anklang: es taucht bei Shakespeare auf und war einst ein verbreitetes Accessoire. Im alltäglichen Gebrauch kann jedes scharfe, schlanke Werkzeug, das Löcher öffnet oder empfindliche Dinge justiert, Bodkin genannt werden.
Im Schriftraum wurde der Bodkin zu etwas Speziellerem und Unverzichtbarem. Wenn ein Schriftsetzer von Hand Bleilettern in einen Metallrahmen, genannt Chase, setzte, mussten Fehler korrigiert werden, ohne die gesamte Seite neu zu setzen. Der Bodkin war ein dünnes Stahl- oder Knochenwerkzeug mit einer Spitze, aber nicht geschärft wie eine Klinge; damit wurden Schriftzüge vertikal in ihren Positionen verschoben oder horizontal zur endgültigen Ausrichtung bewegt. Anders als eine grobe Ahle, die das Metall ausreißen konnte, ermöglichte die feine Spitze des Bodkins minimale Anpassungen an Abstände und Position. Ein guter Bodkin musste hart genug sein, um unter dem Druck zum Verschieben von Typen nicht zu verbiegen, aber dünn genug, um zwischen die Lettern zu passen.
Der Werkzeugname findet sich auch in älteren Metallhandwerken. Goldschmiede und Uhrmacher benutzten ähnliche spitze Werkzeuge für präzise Arbeiten an kleinen Komponenten, obwohl sie diese je nach Form und Funktion unterschiedlich nennen konnten. Was alle diese Handwerke verband, war das Prinzip: eine scharfe Spitze zum Positionieren, nicht zum Schneiden; Präzision ohne Beschädigung.
Der Platz des Bodkins im Druck ist teilweise Zufall der Geschichte und teilweise Notwendigkeit. Das Wort selbst ist Jahrhunderte älter als die Druckerpresse, aber als Schriftsetzer ein Werkzeug zum Justieren der Typen brauchten, übernahmen sie den vertrauten Namen. Das Werkzeug passte besser in den vorhandenen Wortschatz, als einen neuen Begriff zu erfinden. Als der Druck im späten 19. Jahrhundert zu mechanischer Satzherstellung überging und schließlich zu Foto- und digitaler Schriftsetzung, verschwand der Bodkin aus dem täglichen Gebrauch. Heute lebt er hauptsächlich in der Erinnerung von Handpressendruckern und in den Archiven von Druckmuseen fort, ein kleines Stahlzeugnis für die Geduld, die nötig war, um eine Buchstabe nach der anderen zu bewegen.
The dictionary entry
bodkin
(noun, industrial supplies, equipment, and components)
A sharp tool, like an awl, formerly used for pressing down individual type characters (e.g. letters) from a column or page in making corrections.