Brewster
Englisch: brewster
Eine Einheit des stress optical coefficient, gleich 10⁻¹² m²/N oder 10⁻¹² Pa⁻¹; Formelzeichen: B.
Brewster: Einheit zur Messung, wie mechanische Spannung Licht in Materialien verzerrt
Das Brewster ist eine Einheit, die den optischen Spannungseffekt quantifiziert, also die Eigenschaft, die beschreibt, wie mechanische Spannung den Brechungsindex eines transparenten Materials verändert. Sie misst den stress-optischen Koeffizienten, geschrieben als C, in Einheiten von 10−12 m2/N oder äquivalent 10−12 Pa−1. Wenn man Glas, Kunststoff oder andere optische Materialien komprimiert oder dehnt, wird das Material doppelbrechend, das heißt, Licht breitet sich entlang verschiedener Achsen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten aus. Das Brewster quantifiziert die Stärke dieses Effekts für ein bestimmtes Material.
Der stress-optische Koeffizient verbindet die aufgebrachte Spannung direkt mit der induzierten Doppelbrechung durch die Relation Δn = C × σ, wobei Δn die Differenz der Brechungsindizes und σ die aufgebrachte Spannung in Pascal ist. Für optisches Kronglas liegen typische Werte zwischen 3 und 5 B. Polycarbonat und Acryl, die in der technischen Optik verbreitet sind, bewegen sich eher zwischen 15 und 25 B, weshalb sie stärker zu spannungsinduzierten optischen Verformungen neigen. Diese Eigenschaft ist wichtig in Präzisionsanwendungen, wo jede Verzerrung des optischen Strahlengangs zu Messfehlern oder Bildverschlechterung führt.
Die Einheit ist nach David Brewster benannt, dem schottischen Physiker des 19. Jahrhunderts, der sich mit Polarisation und optischen Eigenschaften beanspruchter Materialien befasste. Seine Arbeiten zur Lichtpolarisation unter spezifischen Winkeln (Brewsterscher Winkel) legten den Grundstein für das Verständnis, wie Materialien unter äußeren Kräften mit Licht wechselwirken. Die Brewster-Einheit trägt seinen Namen zu Ehren dieses Beitrags zur optischen Physik.
Wo stress-optische Effekte eine Rolle spielen
Optische Fenster in Hochdruckbehältern, Laseroptiken unter Temperaturgradienten und Präzisions-Messfenster in Industrieanlagen müssen stress-induzierte Doppelbrechung berücksichtigen. Epoxy- oder Acrylbaugruppen in Druckkammern erfahren radiale und Ringspannungen, die ihren Brechungsindex verändern; wenn diese Änderung unkontrolliert bleibt, führt sie zu Fokussierfehler oder Wellenfrontverzerrung. Präzisions-Spektrometer und Interferometer sind besonders empfindlich, weil bereits nanometergroße Veränderungen der optischen Weglänge zu erheblicher Messunsicherheit führen.
Hersteller und Optik-Ingenieure nutzen das Brewster, um vorherzusagen, wie viel Doppelbrechung unter vorgegebenen Belastungsbedingungen entstehen wird. Durch Kenntnis des stress-optischen Koeffizienten eines Materials in Brewster können sie die induzierte Phasenretardation berechnen und bestimmen, ob das Material für die Anwendung noch geeignet ist oder ob Spannungsabbau, Beschichtung oder Materialwechsel erforderlich ist. Diese Einheit ist im alltäglichen Industriewortschatz weniger gebräuchlich als in Fachkreisen der Optik-Konstruktion; sie erscheint vor allem in Materialspezifikationen, optischen Simulationssoftware-Programmen und Spannungsanalysebericht für Präzisionssysteme.