Bri-Nylon
Britische Nylonfasermarke, die während der 1960er und 1970er Jahre die britische Mode dominierte.
Bri-Nylon: Britischer Nylon, der eine Nation kleidete
Bri-Nylon war eine Marke für Nylonfaser, hergestellt von British Nylon Spinners Ltd, ein Joint Venture zwischen ICI und Courtaulds, gegründet 1940. Die Faser selbst war Polyamid 6,6, chemisch identisch mit anderswo hergestelltem Nylon, aber die Marke wurde zum Hausnamen im Nachkriegs-Großbritannien und dominierte den Markt für Strümpfe, Strumpfhosen und Frauenbekleidung von den 1950er Jahren bis in die 1970er Jahre. Das Unternehmen betrieb große Produktionsanlagen in Pontypool in Wales und anderswo, wo Rohpolymer zu kontinuierlichem Filamentgarn versponnen wurde, das gestrickt oder zu Textilien gewebt werden konnte.
Der Begriff "Bri-Nylon" war eine bewusste Marketingstrategie, um britische technologische Leistungsfähigkeit zu behaupten und Verbraucher von Qualität und Herkunftsort zu versichern, zu einer Zeit, als Chemiefasern noch neu waren und manchmal mit Misstrauen betrachtet wurden. Die Marke wurde auf Fertiggarn und die daraus hergestellten Waren angewendet, nicht auf das Rohpolymer selbst. Verbraucher kauften Bri-Nylon-Strümpfe, Strumpfhosen und Bekleidung, weil die Marke Haltbarkeit, Elastizität und Widerstandskraft gegen Laufmaschen signalisierte, was frühere Zellulosefasern nicht bieten konnten. Die Fasereigenschaften machten sie ideal für Strumpfwaren: Sie konnte zu feinen Deniers gestrickt werden, widerstanden dem Reißen und trocknete nach dem Waschen schnell.
Marktdominanz und Niedergang
Auf ihrem Höhepunkt in den 1960er Jahren hielt Bri-Nylon etwa 90 Prozent des britischen Strumpfwarenmarkts. Die Marke erreichte dies durch aggressive Werbung, Händlerloyalitätsprogramme und konstante Produktleistung. Allerdings schufen dieselben Stärken, die Nylon wertvoll machten, Probleme für die Langzeitnutzung: Die Feuchtigkeitswicking-Eigenschaften der Faser bedeuteten, dass Nylon-Kleidungsstücke statische Elektrizität erzeugen konnten, und die Unfähigkeit des Materials zu atmen machte es in warmem Wetter unbequem. Noch wichtiger war, dass Konkurrenz durch importierte Nylongarne und das Aufkommen von Mikrofasern und anderen Chemiefasern-Alternativen Bri-Nylons Marktanteil ab den 1980er Jahren erodierte.
British Nylon Spinners wurde schließlich in größere Unternehmensstrukturen aufgenommen, und die Bri-Nylon-Marke verschwand ab den 1990er Jahren aus dem alltäglichen Gebrauch. Die Fabriken des Unternehmens in Pontypool schlossen in den frühen 2000er Jahren und beendeten damit über 60 Jahre ununterbrochener Nylonproduktion. Heute bleibt Bri-Nylon als historisches Zeichen der britischen Herstellung und Verbraucherkultur der Nachkriegszeit bestehen, aber die Faser selbst wird im Vereinigten Königreich nicht mehr unter diesem Markennamen hergestellt.