BRS
Abkürzung für Bus Rapid Service.
BRS: leistungsstarker städtischer Nahverkehr zwischen Bus und Bahn
Ein Bus Rapid Service (BRS) ist ein hochfrequentes Nahverkehrssystem, das eigene oder teilweise eigene Fahrbahnen nutzt, um Fahrgäste mit Geschwindigkeiten und Kapazitäten zu befördern, die näher an der Stadtbahn liegen als am herkömmlichen Busbetrieb. BRS-Fahrzeuge sind typischerweise Gelenkbusse mit 60 bis 160 Plätzen, die auf festen Routen mit niveaugleichen Haltestellen, Fahrkartenkauf vor dem Einsteigen und Signalpriorität an Kreuzungen fahren. Das System tauscht die Kapitalkosten der Schieneninfrastruktur gegen die betriebliche Flexibilität und niedrigeren Anfangsinvestitionen von Gummiradfahrzeugen ein.
BRS unterscheidet sich vom Standard-Busverkehr in Auslegung und Betrieb. Eigene Spuren verhindern Stauungen; niveaugleiche Bahnsteige eliminieren Abstände zwischen Fahrzeug und Bordsteinkante und beschleunigen das Einsteigen und verkürzen Wartezeiten für Rollstuhlbenutzer. Fahrkartenkauf vor dem Einsteigen (Zahlung vor dem Betreten) senkt die Haltezeiten um 20 bis 40 Prozent gegenüber Zahlung beim Einstieg. Signalpriorität an Ampeln ermöglicht es den Fahrzeugen, rote Phasen zu halten oder zu verkürzen und dabei zuverlässige Abstände von 5 bis 10 Minuten selbst auf stark belasteten Strecken zu bewahren.
Varianten und Umsetzung
Ein vollständiges BRS nutzt völlig getrennte Spuren, wie sie in Systemen wie Bogotás TransMilenio oder Istanbuls Metrobus zu finden sind. Ein halb-eigenes BRS teilt Spuren mit lokalem Verkehr oder Taxis außerhalb der Stoßzeiten, spart Baukosten, opfert aber etwas Zuverlässigkeit der Geschwindigkeit. Einige Systeme nutzen Oberleitungsbusse (elektrische Oberleitung) statt Diesel; andere fahren mit Hybrid- oder Erdgasfahrzeugen. Moderne Systeme integrieren Echtzeit-Fahrgastinformation, elektronische Ticketierung und integrierte Zahlungssysteme mit U-Bahn- oder Schienenverkehrsbetreibern.
Die Planung eines BRS erfordert Korridoraufkommen von mindestens 3.000 bis 5.000 Fahrgästen pro Richtung pro Stunde, um eigene Infrastruktur zu rechtfertigen; unterhalb dieser Schwelle ist ein herkömmlicher Busbetrieb mit Verkehrsmanagement wirtschaftlicher. BRS-Netze erstrecken sich typischerweise über 30 bis 100 Kilometer Streckenlänge und bedienen Entfernungen von 15 bis 40 Kilometern. Die Betriebskosten liegen 2 bis 4 Mal höher als beim herkömmlichen Busbetrieb, aber 40 bis 60 Prozent niedriger als bei einer gleichwertigen Stadtbahn, was BRS für wachsende Städte attraktiv macht, die schnelle Expansion ohne die 10 bis 20 Jahre dauernde Schienenbauzeitspanne benötigen.
Der Begriff Bus Rapid Service wird in der Commonwealth-Terminologie bevorzugt; amerikanische Systeme nutzen oft Bus Rapid Transit (BRT), wobei die Akronyme in der modernen Praxis funktional gleichbedeutend sind. Das Konzept entstand in Lateinamerika in den 1990er Jahren und hat sich seitdem auf Afrika, Asien und den Nahen Osten ausgebreitet, wo Land- und Arbeitskosten straßengebundene Lösungen gegenüber fester Schieneninfrastruktur bevorzugen.