Kompressor
Englisch: compressor
Ein Gerät, das den Dynamikumfang eines Audiosignals reduziert.
Kompressor: das Ventil, das laute Spitzen regelt
Ein Kompressor ist ein Prozessor, der die Amplitude eines Audiosignals automatisch reduziert, wenn es einen eingestellten Schwellenwert überschreitet. Im Gegensatz zu einem Limiter, der als harte Obergrenze funktioniert, wendet ein Kompressor ein Verhältnis an: Bei einem Verhältnis von 4:1 und einem Signal, das den Schwellenwert um 4 dB überschreitet, übersteigt der Ausgang ihn nur um 1 dB. Diese kontrollierte Reduktion zähmt den Dynamikumfang, macht leise Stellen hörbar und laute Stellen handhabbar, ohne dass man manuell am Fader fahren muss.
Die wesentlichen Parameter sind Schwellenwert (die Pegelgrenze, ab der die Kompression einsetzt), Verhältnis (das Ausmaß der Pegelreduktion), Attack-Zeit (wie schnell der Kompressor auf Spitzen reagiert, typisch 1 bis 100 Millisekunden) und Release-Zeit (wie schnell er die Kompression beendet, nachdem das Signal unter den Schwellenwert fällt, üblicherweise 50 Millisekunden bis mehrere Sekunden). Ein Makeup-Gain-Regler stellt den Gesamtpegel nach der Kompression wieder her. Diese Einstellungen beeinflussen sich gegenseitig: Ein schneller Attack erfasst Transienten, kann aber unnatürlich klingen; ein langsamer Attack bewahrt den Punch; eine kurze Release-Zeit kann bei stärker komprimiertem Material zu Pumping führen.
Bauarten und Anwendungen
Röhrenkompressoren nutzen Vakuumröhren im Pegelreduktionspfad und sind für ihre glatte, musikalische Färbung geschätzt; Transistor-Designs bieten Transparenz und Zuverlässigkeit. VCA-Kompressoren (Spannungs-gesteuerte Verstärker), häufig in Mischpulten und externem Equipment anzutreffen, reagieren schnell und können über mehrere Kanäle gekoppelt werden. Variable-Mu-Designs, basierend auf Röhrentechnik, haben eine exponentielle Ansprechkurve, die bei geringen Kompressionswerten sanft wirkt. Im Rundfunk und bei Live-Sound verhindern Kompressoren, dass Spitzen Limiter verzerren oder AD-Umsetzer zum Clipping bringen. In Aufnahmestudios prägen sie Vokaltimbre, kontrollieren Bass-Dynamik und verbinden Instrumentenspuren.
Der Begriff Kompression selbst spiegelt die Physik wider: Das Gerät komprimiert den Abstand zwischen leisen und lauten Teilen einer Wellenform. Die Technik stammt aus frühem Rundfunk und Telefonie, wo der Dynamikumfang in die Übertragungsgrenzen passen musste. Moderne digitale Kompressoren ahmen diese Hardware-Verhalten nach, doch Software-Implementierungen können Parameter samplenweise ändern, was Lookahead und Verhaltensweisen ermöglicht, die mit analogen Schaltungen unmöglich sind.