ILEC
Abkürzung für incumbent local exchange carrier.
ILEC: das Telefonunternehmen, das zuerst deine lokalen Leitungen besaß
Ein ILEC ist ein Telekommunikationsanbieter, der die Infrastruktur des Ortsfernnetzes in einer bestimmten geografischen Region vor dem Telecommunications Act von 1996 kontrollierte, der diese Netze für den Wettbewerb öffnete. Das waren die etablierten Monopole, die typischerweise unter reguliertem Versorgungsstatus operierten und das Kupferkabelnetz, die Vermittlungsanlagen und die Kundenverbindungen in Städten und Gemeinden in Nordamerika aufbauten und warteten. Mit der Deregulierung wurden ILECs rechtlich zu etablierten Anbietern, das heißt, sie hielten die vorbestehende Position und waren verpflichtet, Wettbewerbern Zugang zu ihren Netzen zu regulierten Sätzen zu gewähren.
Die Infrastruktur eines ILEC umfasst die Zugangsleitung (das Kupfer- oder Faserpaar vom Vermittlungsamt zu jedem Kundenstandort), die Class-5-Vermittlungszentralen, die Anrufe weiterleiten, und die Übergabepunkte, wo andere Anbieter Verkehr abgeben können. In Nordamerika entstanden die größten ILECs aus der Aufspaltung von AT&T 1984: Unternehmen wie Verizon, AT&T Inc., CenturyLink und andere erbten bestimmte Gebiete. In Kanada hielten Anbieter wie Bell Canada und Telus ähnliche Positionen. Ein ILEC bedient typischerweise einen Local Access and Transport Area (LATA) und fungiert als Anbieter der letzten Zuflucht für Kunden in seiner Region.
Regulatorische Verpflichtungen und Wettbewerbsdynamik
Da ILECs grundlegende Infrastruktur besaßen, die Wettbewerber nicht leicht duplizieren konnten, zwangen Regulierungen sie, ihre Dienste zu unbündeln: Wettbewerber konnten die Zugangsleitung mieten und Wählton weiterverkaufen, dunkle Fasern mieten oder Großhandelszugang zu Vermittlungsanlagen erwerben. Ein ILEC muss die Netzzuverlässigkeit gewährleisten, einen Tarif mit Sätzen veröffentlichen und auf Zusammenschaltungsanfragen von konkurrierenden Lokal- und Fernanbieter reagieren. Das schuf einen dreistufigen Markt, in dem ILECs Einzelhandelskunden direkt bedienten, Kapazität an konkurrierende Ortsfernnetzbetreiber (CLECs) vermieteten und mit Fernanbieter- und Funkanbietern zusammenschalteten.
Die wirtschaftliche Spannung im ILEC-Betrieb entsteht aus der sinkenden Relevanz der Zugangsleitung selbst. Als VoIP-Dienste, Funksubstitution und Glasfaser bis zur Haustür das traditionelle Kupfernetz umgingen, sahen sich ILECs mit schrumpfenden Einnahmen aus dem grundlegenden Telefonservice konfrontiert. Viele reagierten durch Investitionen in Glasfaserinfrastruktur, bundelnde Breitband- und Fernsehservices mit Sprache oder durch Verkauf nicht wesentlicher Vermögenswerte. Der Regulierungsrahmen behandelt Sprachdienste in den historischen Territorien von ILECs immer noch anders als Datendienste, was operative Komplexität bei Unbündelung und Zugangsbestimmungen schafft.
Ein ILEC unterscheidet sich von einem CLEC (Competitive Local Exchange Carrier), der nach 1996 auf den Markt eintrat aber wenig oder gar keine physische Anlage besitzt, und von einem Funkanbieter, der Kunden per Funkzugang bedient statt über Festnetze. Der Begriff selbst ist mittlerweile etwas historisch: moderne ILECs bezeichnen sich als Breitband- oder integrierte Kommunikationsunternehmen, aber die ILEC-Bezeichnung ist immer noch rechtlich bedeutsam für Regeleinhaltung, Großhandelspreis und Netzzugangsverpflichtungen. Zu verstehen, ob ein Anbieter in einer bestimmten Region den ILEC-Status hält, ist wesentlich für die Berechnung von Zusammenschaltungskosten, die Identifizierung verfügbarer unbündelter Netzelemente und die Vorhersage der Verfügbarkeit von Wettbewerbsdiensten.