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Industrieelektronik

ESS

Abkürzung für elektronisches Vermittlungssystem.

ESS: das digitale Nervenzentrum des Telefonnetzes

Ein elektronisches Vermittlungssystem ist eine Telefonzentrale, die Anrufe mittels elektronischer Halbleitertechnik statt mit elektromechanischen Relais vermittelt. Es liest gewählte Ziffern, identifiziert die Zielleitung und stellt die Schaltverbindung auf elektronischem Weg her. Die ESS-Technologie entstand in den 1960er Jahren, als die Bell Laboratories die ersten kommerziellen Systeme entwickelten und damit die klickenden, surrenden mechanischen Schaltbretter ersetzten, die seit den 1890er Jahren die Telefonzentralen beherrschten.

Die Kernfunktion ist die Signalverarbeitung und Wegauswahl. Wenn ein Anrufer wählt, erkennt das ESS jede Ziffer durch Mehrfrequenzsignale (DTMF) oder Impulswahl, speichert diese Information vorübergehend, befragt Routing-Tabellen im Speicher und schaltet dann den Audiopfad durch eine Kreuzschienenmatrix oder ein zeitmultiplexes Vermittlungsfeld. Frühe Systeme wie das 1ESS konnten etwa 65.000 Anrufe pro Stunde bewältigen; spätere Generationen wie das 5ESS erhöhten diese Kapazität erheblich, während sie die physische Baugröße und den Stromverbrauch reduzierten.

ESS-Knoten sitzen an kritischen Punkten im Vermittlungstelefonnetz: Ortsvermittlungen verbinden Teilnehmerleitungen mit Regionalvermittlungen; Fernvermittlungen leiten Ferngespräche zwischen Städten weiter. Jede Vermittlungsklasse bewältigt unterschiedliche Verkehrsmengen und Anrufarten. Ortsvermittlungen müssen Hunderte oder Tausende von Wohnleitungen bedienen; Fernvermittlungen konzentrieren hochvolumige Streckenrouten. Ein einzelnes 5ESS-Gehäuse nimmt etwa 50 Quadratfuß Platz ein und verarbeitet Verkehr für Teilnehmerbereiche zwischen 10.000 und 100.000 Leitungen, abhängig von Dichte und Auslegung.

Zuverlässigkeit erfordert Redundanz. ESS-Vermittlungen nutzen doppelte Prozessoren, Stromversorgungen und Speichermedien. Steuerprogramme und Routing-Datenbanken werden ständig aktualisiert, oft mit aktiven Standby-Kopien. Batteriegestützte Notstromsysteme sichern den Betrieb bei Stromausfällen. Laufende Anrufe sind typischerweise auch während Umschaltungen geschützt; die Einleitung neuer Anrufe kann kurzzeitig verzögert sein, aber bestehende Verbindungen bleiben erhalten.

Der Begriff ESS bleibt in der Branchenterminologie erhalten, obwohl digitales Leitungsvermittlung selbst seit den 2000er Jahren in Neuanlagen zur Legacy-Infrastruktur geworden ist. Paketorientierte Netze und IP-Telefonie haben ESS-Technologie in neuen Installationen verdrängt, doch viele ESS-Systeme blieben bis in die 2010er Jahre in ländlichen und älteren Netzen in Betrieb. Techniker behalten die Unterscheidung zwischen ESS (leitungsvermittelt, deterministisch, Echtzeit) und Datennetz-Vermittlung (paketorientiert, statistisch, warteschlangenbewirtschaftet) bei, weil sich die Betriebsprinzipien und Fehlermöglichkeiten grundlegend unterscheiden.

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