Lager
Englisch: lodging
Zustand einer Pflanze, besonders einer Getreideart, die durch Witterung oder mangelnde Stammfestigkeit in Feld niedergedrückt oder beschädigt und nicht mehr aufrecht stehend ist.
Lagern: wenn Feldfrüchte vor der Ernte umknicken
Lagern tritt auf, wenn stehende Feldfrüchte, besonders Getreide wie Weizen, Gerste oder Reis, zusammenbrechen und flach auf dem Boden liegen. Das geschieht vor der Ernte und macht die Ernte mechanisch schwierig oder unmöglich. Der Pflanzenstängel bricht entweder in der Mitte durch, oder die Wurzelverankerung versagt völlig, wodurch die Pflanze im Feld zu Boden geht. Nach dem Lagern können Getreidespitzen verfaulen, austreiben oder mit Erde verschmutzen, was zu erheblichen Verlusten bei Ertrag und Qualität führt.
Die Ursachen lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Umwelt und Agronomie. Starkregen, Wind oder Hagel können auch gesunde Kulturen zu Fall bringen, besonders in der Körnerreife, wenn die Ähren schwer sind. Häufiger ist ein schwacher Stängel das Problem. Pflanzen mit zu viel Stickstoffdünger entwickeln weiche, verlängerte Stängel, die ihr eigenes Gewicht nicht tragen können. Zu wenig Kalium, schlechte Drainage, verdichtete Böden oder genetische Faktoren schwächen die Stabilität ebenfalls. Manche Sorten lagern leichter; die moderne Züchtung hat bei vielen Getreidearten auf steiferes Stroh gezüchtet, um dem entgegenzuwirken.
Gelagerte Kulturen bereiten Ernteschwierigkeiten, die je nach Stärke unterschiedlich ausfallen. Mähdrescher und Schneidwerke arbeiten schlecht auf flachem Material; die Ernte kann sich in der Maschine verfangen, was die Fahrgeschwindigkeit senkt und die Ernteverluste erhöht. Manche Fahrer heben die Schneidbalkenhöhe an, um Bodenkontakt zu vermeiden, aber das lässt Stoppeln stehen und erhöht die Kopfverluste. Der wirtschaftliche Schaden geht über die sofortige Ernte hinaus: Gelagerte Körner trocknen ungleichmäßiger, das Lagerverwöhnungsrisiko steigt durch Feuchte und Schimmel, und Braugerste oder Brauweizen können von Käufern wegen Qualitätsverlust abgelehnt werden.
Managementstrategien zielen auf Vorbeugung statt Reparatur. Die Sortenwahl ist entscheidend; Agronomen wählen Sorten mit bewährter Lagerresistenz für ihre Region und ihren Bodentyp. Ausgewogene Düngung, besonders ausreichend Kalium, stärkt die Stängel ohne übermäßiges Vegetationswachstum. Saattiefe, Aussaatstärke und Reihenabstand beeinflussen Bestandsdichte und Konkurrenz, was den Stängeldurchmesser beeinflusst. Feldwasserwirtschaft mindert Wurzelfäule und Staunässe. In manchen Regionen können Wachstumsregler die Pflanzenhöhe reduzieren und das Stroh versteifern, aber das kostet mehr und erfordert genaues Timing.
Der Begriff Lagern stammt von der Vorstellung, dass die Pflanze Zuflucht sucht oder sich hinlegt, als würde sie Schutz suchen. Er erscheint in landwirtschaftlicher Literatur mindestens seit dem neunzehnten Jahrhundert. Moderne Ernteversicherungen definieren oft bestimmte Lagerschwellen, typischerweise über 20 bis 30 Grad von der Senkrechten, bevor Verluste anerkannt werden. Der Ertragsaufall durch Lagern kann bei leichten Fällen gering oder bei schweren Ereignissen ein Totalverlust sein, was es weltweit zu einem ständigen Problem für Getreideerzeuger macht.