LSD
Abkürzung für Differenzial mit Sperrwirkung.
LSD: Differenzial, das Radschlupf in Kurven bekämpft
Ein Sperrdifferenzial ist ein mechanisches Bauteil im Achsgehäuse, das das Motormoment auf linkes und rechtes Rad verteilt und beiden ermöglicht, in Kurven unterschiedlich schnell zu drehen. Anders als ein Differenzial ohne Sperre, das einem Rad erlaubt, frei durchzudrehen, wenn es die Haftung verliert, nutzt ein Sperrdifferenzial Reibbeläge, Kupplungen oder Zahnräder, um die Drehzahlunterschiede zu begrenzen und das Moment auf das Rad mit besserer Bodenhaftung zu übertragen. Das verhindert das tote Durchdrehen, das die Beschleunigung auf rutschigen Untergrund oder in engen Kurven abtötet.
Der gebräuchlichste Industrietyp ist das Lamellensperrdifferenzial, bei dem Reibscheiben zwischen dem Differenzialgehäuse und den Achsrädern einen Widerstandsschwellenwert erzeugen. Wenn ein Rad schneller drehen will als das andere, rutschen die Scheiben allmählich und sperren die Achse zunehmend. Eine typische Auslegung rutscht bei etwa 20 bis 40 % Drehzahlunterschied, bevor die vollständige Sperrung eintritt. Zahntypen wie Stirnrad- oder Viskosuseinheiten erzielen denselben Effekt durch profilierte Zähne oder Silikonflüssigkeit, die die gegenseitige Bewegung der Wellen bremsen. Jede Bauart bietet einen Kompromiss zwischen Laufruhe und Ansprechverhalten.
Der Begriff Sperrdifferenzial ist wichtig, weil er das leitende Prinzip beschreibt: Das Differenzial sperrt nicht vollständig wie ein Sperrkegel oder eine Achssperre und verteilt das Moment auch nicht hälftig wie ein offenes Differenzial. Es liegt zwischen vollständiger Sperrung und vollständigem Durchdrehen. Im Rennsport und in der Geländefahrt ist das Sperrdifferenzial Standard, weil es sowohl haftungsbegrenzte Beschleunigung als auch radiusabhängige Kurvenfähigkeit ohne Rucken oder Ratschen bewältigt. Straßenfahrzeuge nutzen es, um Antriebsmomentschwindel zu verringern und die Berechenbarkeit bei abrupten Spurwechseln zu verbessern.
Verschleiß und innere Undichtheiten sind die Hauptfeinde. Reibbeläge verschleißen im Laufe der Zeit, besonders unter aggressiver Nutzung, und reduzieren die Sperrwirkung. Viskosuseinheiten können ausfallen, wenn die Silikonflüssigkeit abbaut oder ausläuft, sodass nur noch die offene Differenzialfunktion bleibt. Ein verschlissenes Sperrdifferenzial verliert seinen Vorteil: Ein Rad dreht auf losem Untergrund wieder durch, und die Achse wird in harten Kurven unberechenbar. Der Ausfall ist oft lautlos, weil das Differenzialgehäuse selbst meist intakt bleibt; der Fahrer bemerkt den Fehler erst, wenn die Traktionskontrollleuchte aufleuchtet oder das Auto sich im Schnee anders verhält.
Das Sperrdifferenzial nimmt die mittlere Position in der Achskonstruktion ein. Offene Differenziale sind billig und laufruhig, aber nutzlos im Schlamm oder Eis. Sperrkegel oder Sperrausgleiche sind für Geradeaustrakt unschlagbar, erzwingen aber hartes Untersteuern und Reifenschlupf auf Asphalt. Das Sperrdifferenzial geht Kompromisse ein: Es kostet mehr als ein offenes, erfordert regelmäßige Wartung, übersteht aber täglichen Betrieb ohne die Rauheit eines Sperrausgleichs. Schwere Fahrzeuge und Hochleistungsanwendungen, besonders in der Forst- und Bauwirtschaft, bevorzugen Sperrdifferenziale, weil sie dauerhaft Grip liefern, ohne die Schocklasten, die Sperrausgleiche auf Rahmen und Antriebslagern übertragen.