Luton
Ein über die Fahrerkabine hinausragendes Teil der Ladefläche eines Nutz- oder Freizeitfahrzeugs.
Luton: Transportkasten mit Überstand über die Fahrerkabine
Ein Luton ist ein starrer Aufbau auf einem Nutzfahrzeugchassis, der sich nach vorne über die Fahrerkabine hinaus erstreckt. Der Kasten sitzt auf den Rahmenlängsträgern und ragt als Kragarm nach vorne, was zusätzliches Ladevolumen schafft, ohne die Gesamtfahrzeuglänge zu vergrößern. Dieser Überstand ist das kennzeichnende Merkmal und dient ausschließlich dazu, Kubaturkapazität innerhalb gesetzlicher Längsgrenzen zu gewinnen.
Der Begriff stammt aus Luton in Bedfordshire, wo Aufbauschreiner ab Mitte des 20. Jahrhunderts diesen Entwurf zu montieren begannen. Die Stadt wurde zum Zentrum der Nutzfahrzeugaufbauindustrie, und der Name hielt sich, obwohl ähnliche Konstruktionen mittlerweile anderswo hergestellt werden. Ein Luton findet sich fast immer auf mittelschweren Lastkraftwagen und kleineren Verteilfahrzeugen, typischerweise in der Gewichtsklasse von 7,5 bis 18 Tonnen Gesamtgewicht.
Aufbau und Sichtfeld
Der Ladekasten besteht meist aus Stahl oder Aluminium und ist auf einem starren Rahmen montiert, der an das Chassis geschraubt wird. Der Überstand verlagert Gewicht vor die Kabine, deshalb muss die Gewichtsverteilung sorgfältig berechnet werden, um Kippgefahr zu vermeiden. Die Fahrerscheibe wird versenkt oder das Kabinendach wird ausgeschnitten, damit der Aufbau darüber auskragen kann. Die Sicht aus der Kabine ist eingeschränkt, und Fahrer müssen sich an die kürzeren Sichtlinien gewöhnen, besonders beim Rückwärtsfahren.
Die innere Höhe liegt meist bei 1,9 bis 2,2 Metern, und das Gesamtladevolumen kann je nach Basisfahrzeug 20 bis 40 Kubikmeter betragen. Der Überstand verlängert den Kasten typischerweise um 1,5 bis 2,5 Meter. Dieses Design nutzt eine Regelungslücke: Viele Rechtsordnungen messen die Fahrzeuglänge von Stoßstange zu Stoßstange, daher zählt der Überstand nicht zur zulässigen Maximallänge, während ein herkömmlicher Aufbau dies täte.
Lutons sind verbreitet bei Last-Mile-Zustellung, Umzügen und allgemeinem Speditionsbetrieb, wo Ladevolumen wichtiger ist als die Anzahl der Paletten. Sie sind seltener in modernen Flottenbetrieben, wo Wechselaufbausysteme oder Multi-Drop-Anhänger bessere Flexibilität bieten. Ältere Lutons sind noch im Einsatz; Neubauten entstehen seltener, da Fahrgestelle mit Kunststoffaufbauten und Sattelzugmaschinen-Kombinationen ähnliche Strecken wirtschaftlicher bedienen.