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Industrieelektronik

Multivibrator

Englisch: multivibrator

Elektronische Schaltung zur Realisierung verschiedener einfacher Zwei-Zustands-Systeme wie Oszillatoren, Timer und Flip-Flops.

Multivibrator: Oszillator, der zwischen zwei Zuständen umschaltet

Ein Multivibrator ist ein elektronischer Schaltkreis aus diskreten Transistoren, Elektronenröhren oder integrierten Schaltkreisen, der zwischen zwei stabilen oder quasi-stabilen Spannungszuständen umschaltet. Er bildet die Grundlage für unzählige Timing-, Zähl- und Schaltfunktionen in Industrieanlagen. Die Schaltung erzeugt rechteckförmige Ausgangssignale und ist daher unverzichtbar für Taktgenerierung, Impulsformung und Zustandsautomaten in Steuerungssystemen.

Es gibt drei Hauptausführungen. Ein astabiler Multivibrator oszilliert kontinuierlich zwischen zwei Zuständen ohne externe Eingabe und erzeugt eine Rechteckwelle mit einer Frequenz, die durch Widerstands- und Kondensatorwerte bestimmt wird; typische Frequenzen reichen von einigen Hertz bis zu Megahertz je nach Komponentenauswahl. Ein monostabiler Multivibrator (One-Shot) verweilt in einem stabilen Zustand, bis er durch einen externen Impuls ausgelöst wird, dann schaltet er in den anderen Zustand um, bleibt dort für eine Zeitdauer, die durch RC-Komponenten bestimmt wird, und kehrt dann zurück. Ein bistabiler Multivibrator (Flip-Flop) bleibt in einem der beiden Zustände, bis er durch einen externen Trigger geschaltet wird; er behält seinen Zustand, was ihn ideal für Zähler und Speicherfunktionen macht.

Die klassische Schaltung verwendet zwei Transistoren, die sich über Kondensatoren gegenseitig rückkoppeln; der Kollektor jedes Transistors speist die Basis des anderen. Wenn ein Transistor leitet, zieht er seine Kollektorspannung nach unten, lädt den Kopplungskondensator und treibt den anderen Transistor in den Sperrbereich. Der Kondensator entlädt sich dann und kehrt den Prozess um. Das Timing wird durch das RC-Netzwerk bestimmt: die Lade- und Entladezeitkonstanten legen die Frequenz im astabilen Modus oder die Impulsbreite im monostabilen Modus unmittelbar fest.

Industrielle Anwendungen und Varianten

In klassischen Industriesteuerungen finden sich diskrete Multivibrationen in Relaisschaltuhren, Stroboskoplicht-Reglern und Motor-Sanftanlaufschaltungen. Heute dominieren integrierte Multivibrator-Schaltkreise (wie der 555-Timer in astabiler oder monostabiler Konfiguration), die bessere Stabilität, niedrigeren Stromverbrauch und einfachere Dimensionierung bieten. Ein 555-Timer im astabilen Betrieb mit typischen 1 kΩ und 10 kΩ Widerständen und einem 1 μF Kondensator erzeugt eine Frequenz von etwa 65 Hz, ausreichend für viele Industrietiming-Anwendungen.

Der Name spiegelt den Charakter der Schaltung wider: Multi für mehrere Zustände und Vibrator für Oszillation oder Vibration zwischen ihnen. Der Begriff ist Fachjargon aus der Elektronenröhren-Ära, bleibt aber Standard in der Ingenieurausbildung und in Dokumentationen älterer Anlagen. Das Verständnis von Multivibrationen ist wesentlich beim Instandhalten von Analogsteuerungen, beim Entwurf von Impulsgebern für Sensorschnittstellen oder bei der Fehlersuche in Timing-Störungen in Industriemaschinen, wo RC-Oszillatoren Synchronisation oder sicherheitskritische Verzögerungen steuern.

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