Nematikon
Englisch: nematicon
Räumlicher optischer Soliton in einem nematischen Flüssigkristall.
Nematicon: selbstgefangener Lichtstrahl in Flüssigkristall
Ein Nematicon ist ein räumliches optisches Soliton, ein selbstfokussierter Lichtstrahl, der durch einen nematischen Flüssigkristall ausbreitet, ohne sich zu verbreitern oder zu beugen. Anders als gewöhnliches Licht, das durch ein transparentes Medium dringt und dabei allmählich breiter und schwächer wird, behält ein Nematicon seine Intensität und seinen Querschnitt beim Ausbreitungsweg bei. Dies geschieht, weil der Lichtstrahl selbst die Flüssigkristallmoleküle ausrichtet und einen Brechungsindexgradienten erzeugt, der wie ein Wellenleiter wirkt und das Licht im eigenen, vom Strahl induzierten Kanal gefangen hält.
Die Physik funktioniert über nichtlineare Rückkopplung. Ein heller Lichtstrahl erwärmt den nematischen Flüssigkristall und verursacht, dass seine Moleküle sich senkrecht zu ihrer ursprünglichen Ausrichtung anordnen, wobei der Brechungsindex im Strahlkern sinkt. Diese induzierte Indexänderung fokussiert den Strahl und wirkt der Beugung entgegen. Der Prozess ist selbstregulierend: Wenn der Strahl versucht, breiter zu werden, schwächt sich die Fokussierungswirkung ab; wenn er zu stark schrumpft, drückt die Beugung ihn wieder nach außen. Im Gleichgewichtszustand stabilisiert sich das Strahlprofil zu einem Nematicon mit einer typischen Breite von 10 bis 100 Mikrometern, abhängig von der Eingangsleistung und den optischen sowie thermischen Eigenschaften des Flüssigkristalls.
Nematicons entstehen am ehesten in Flüssigkristallen mit positiver dielektrischer Anisotropie und niedriger Wärmeleitfähigkeit. Übliche Materialien sind 5CB und E7 bei Raumtemperatur. Infrarotlicht wird oft gegenüber sichtbaren Wellenlängen bevorzugt, weil nematische Kristalle für nahes Infrarot transparent sind, thermische Effekte ausgeprägter sind und die Leistungsanforderungen niedriger sind. Die Schwellenleistung zur Initiierung eines Nematiconsliegt im Bereich von Milliwatt bis einige Watt, abhängig vom spezifischen Kristall und der Strahlgeometrie.
Varianten und Einschränkungen: Helle Nematicons entstehen aus positiven Intensitätsgradienten; dunkle Nematicons können sich in Regimen bilden, wo die nichtlineare Antwort entgegengesetzt ist. Nematicons können sich in beiden, gewöhnlichen und außergewöhnlichen Polarisationszuständen ausbreiten, obwohl ihre Stabilität und Fokussierungseffizienz unterschiedlich ausfallen. Nematicons sind keine permanenten Strukturen: Sie existieren nur, während der treibende Lichtstrahl vorhanden ist. Sobald der Strahl stoppt, löscht thermische Entspannung das Indexmuster innerhalb von Millisekunden bis Sekunden.
Nematicons werden hauptsächlich in der nichtlinearen Optik zur Untersuchung von Solitonphysik erforscht, haben aber potenzielle Anwendungen in optischen Schaltern, räumlichen Filtern und Wellenleiter-Routing. Sie unterscheiden sich von photonischen Solitonen in Glasfasern, weil die Nichtlinearität hier thermisch und orientierungsbezogen und nicht elektronisch ist, was Nematicons langsamer in ihrer Reaktion, aber dynamisch leichter steuerbar macht. Der Begriff verbindet 'nematisch' und das Suffix 'icon' von Soliton.