orthographisch
Englisch: orthographically
Mit orthogonaler Projektion dargestellt, um dreidimensionale Objekte in zweidimensionalen technischen Zeichnungen darzustellen
orthographisch: zeichnen, was man sieht, nicht was man fühlt
Orthographisch bedeutet, ein dreidimensionales Objekt mit Parallelprojektion auf einer flachen Zeichenfläche darzustellen. Anders als bei der Perspektivzeichnung, wo sich Linien einem Fluchtpunkt nähern, bleiben bei der orthographischen Projektion parallele Linien parallel, wodurch echte Maße und Winkel erhalten bleiben. Ein orthographisch gezeichnetes Maschinenteil zeigt Länge, Breite und Tiefe ohne optische Verzeichnung und ist die Standardsprache in Fertigung und Ingenieurwesen.
Das Verfahren funktioniert, indem Lichtstrahlen senkrecht zur Zeichenebene projiziert werden. Bei einer typischen technischen Zeichnung sieht man drei orthographische Ansichten: Vorderansicht, Draufsicht und Seitenansicht, jede zeigt das Objekt aus einem anderen Winkel im gleichen Maßstab. Ein Quader erscheint in allen Ansichten als Rechteck, nicht als Trapez wie in der Perspektive. Diese Konsistenz ermöglicht es einem Dreher oder Schweißer, genaue Maße direkt abzulesen, ohne die Tiefe mental rekonstruieren zu müssen.
Normen und Praxis
Orthographische Zeichnungen folgen strengen Vorgaben der ANSI (American National Standards Institute) oder ISO (International Organization for Standardization). Die Anordnung der Ansichten, die Projektionsrichtung und der Abstand zwischen den Ansichten sind alle genormt, sodass eine in einem Land gefertigte Zeichnung in einem anderen Land ohne Mehrdeutigkeiten gefertigt werden kann. Maße werden auf den Ansichten selbst angebracht, und verborgene Merkmale erscheinen als gestrichelte Linien für bessere Klarheit.
Orthographische Ansichten lösen ein praktisches Problem: Eine zweidimensionale Zeichnung muss genug Informationen enthalten, damit jemand das Teil exakt anfertigen kann. Eine perspektivische Skizze sieht realistisch aus, kann aber keine Fertigungsanweisung sein, da man den scheinbaren Winkeln und Proportionen nicht trauen kann. Orthographische Ansichten hingegen opfern visuelle Attraktivität für Genauigkeit. Die Vorderansicht zeigt wahre Breite und Höhe, die Draufsicht zeigt wahre Breite und Tiefe, die Seitenansicht zeigt wahre Tiefe und Höhe. Zusammen sind diese Ansichten eindeutig.
CAD-Software erzeugt orthographische Ansichten automatisch aus einem 3D-Modell, aber das Verständnis des Prinzips bleibt wichtig für die Interpretation von älteren Zeichnungen und das Erkennen von Fehlern. Eine fehlende Maßangabe, eine unklare versteckte Linie oder eine falsch ausgerichtete Ansicht können die Fertigung zum Stillstand bringen. Der Begriff selbst stammt aus dem Griechischen: ortho (gerade oder richtig) und graphia (Zeichnung), was die Abhängigkeit des Verfahrens von rechten Winkeln und Parallelprojektion statt optischer Täuschung widerspiegelt.