Stimmungsrad
Englisch: phonic wheel
Von einem Stimmgabel angetriebener Synchronmotor mit Elektromagnet, der das Zahnrad des Motors bei jeder Vibration um einen Zahn dreht.
Stimmgabelrad: Stimmgabelmotor für präzise Zeitmessung
Ein Stimmgabelrad ist ein Synchronmotor, der die mechanischen Vibrationen einer Stimmgabel in eine Rotationsbewegung umwandelt, wobei mit jedem Vibrationszyklus ein diskreter Schritt erfolgt. Ein von der Stimmgabelschwingung erregter Elektromagnet betätigt einen Sperrmechanismus oder ein Schaltwerk, das ein Zahnrad bei jeder Vibration um exakt einen Zahn vorwärts bewegt. Das Ergebnis ist eine äußerst genaue, frequenzgebundene Rotation: Eine 50-Hz-Stimmgabel erzeugt 50 Zahnschritte pro Sekunde und eignet sich daher ideal für Anwendungen, die absolute Synchronisation mit der Netzfrequenz erfordern.
Die Stimmgabel selbst schwingt mit einer Frequenz, die durch ihre physischen Abmessungen und das Material bestimmt wird, üblicherweise 50 Hz oder 60 Hz zur Anpassung an das Stromnetz in verschiedenen Regionen. Bei der Schwingung wird die Bewegung der Gabel an eine Elektromagnetspule gekoppelt. Jeder Schwingungszyklus erregt die Spule, die ein Magnetfeld erzeugt, das stark genug ist, um den Schaltrahmen zu ziehen und das Rad um einen Zahn vorwärts zu bewegen. Der Mechanismus ist danach rein mechanisch; keine elektronische Rückkopplung oder Phasensynchronisation ist erforderlich.
Anwendungen und Varianten
Stimmgabelräder waren am weitesten verbreitet in mechanischen Uhren, Zeitschaltern und Frequenznormalen von den 1930er Jahren bis in die 1970er Jahre. Elektrische Uhren mit Stimmgabelantrieb boten deutlich bessere Zeitmessung als Feder- oder Pendelmechanismen, da die Frequenzstabilität nur von den Quarz- oder Stahleigenschaften der Gabel selbst abhing, nicht von Reibung oder Schwerkraft. Einige Ausführungen verwendeten eine gegabelte Konstruktion, bei der jede Zunge einen separaten Elektromagneten antrieb, um das Drehmoment und die Symmetrie zu verbessern. Kleine Stimmgabelmotoren konnten Hemmungen in Uhren antreiben; größere (mit schwereren Rädern und Sperrmechanismen) konnten Zahnradgetriebe für Industriezähler und Ereignisschreiber antreiben.
Die Haupteinschränkung ist mechanischer Verschleiß. Der Sperrhebel nutzt die Zahnflanken allmählich ab; die Drehpunkte lagern sich ein; und Staub oder Korrosion können die Reibung so weit erhöhen, dass ein zuverlässiges Eingreifen nicht mehr möglich ist. Ist die Genauigkeit des Mechanismus verloren oder die Stimmgabel gerissen oder verstimmt, erfordert die Reparatur Fachkenntnisse und Ersatzteile. Elektronische Quarzoszillatoren und Schrittmotoren haben Stimmgabelräder in modernen Geräten weitgehend ersetzt und bieten bessere Zuverlässigkeit und einfachere Steuerung.
Der Begriff Stimmgabel verweist auf die akustische Natur der Gabel als Zeitquelle. In älterer Fachliteratur werden diese Geräte manchmal als Stimmgabelmotoren oder Synchronstimmgabelmotoren bezeichnet. Sie nehmen eine spezifische Nische in der Geschichte der Präzisionszeitmesung ein: genauer als mechanische Uhren, aber weit einfacher und billiger als elektronische Alternativen vor der Quarzrevolution.