retroscopisch
Englisch: retroscopic
Ein Linsentyp mit einer Neigung in die entgegengesetzte Richtung zu einer pantoskopischen Linse
Retroscopic: Linsenneigung, die vom Gesicht weg nach oben zeigt
Eine retroskopische Linse ist so geneigt, dass ihre optische Achse nach oben und weg vom Gesicht des Trägers zeigt, das Gegenteil einer pantoskopischen Neigung. Während eine pantoskopische Linse unten nach vorne geneigt ist (zu den Wangen hin), neigt sich eine retroskopische Linse nach oben. Die Neigung wird in Grad von der Vertikalen gemessen und liegt typischerweise zwischen 2 und 8 Grad in der Brillenherstellung.
Diese Geometrie ist in alltäglicher Sehhilfe selten, kommt aber in speziellen Anwendungen vor. Hochvergrößernde Lesebrillen, bestimmte Gleitsichtdesigns für verlängerten Blick nach unten und einige berufliche Fassungen nutzen retroskopische Neigung, um das optische Zentrum bei längeren Naharbeiten richtig zur Blicklinie des Auges auszurichten. Sie tritt auch in älteren Brillendesigns und in Fassungen auf, die für spezielle Sehaufgaben angepasst werden, bei denen das Blicken nach unten minimal ist oder die Kopfhaltung des Trägers vom Standard abweicht.
Optische und physikalische Folgen
Der retroskopische Winkel beeinflusst mehrere optische Eigenschaften. Er verändert den Scheitelabstand, also den Abstand zwischen der hinteren Linsenfläche und der Hornhaut, was die effektive Linsenstärke verändert, besonders bei höheren Stärken. Er beeinflusst auch prismatische Effekte an den Linsenrändern und kann Schielfehlsichtigkeit einführen, wenn sie nicht ausgeglichen wird. Die Neigung bestimmt, welche Zone einer Gleitsichtlinse der Träger bei verschiedenen Blickwinkeln nutzt, sodass sich die Anordnung der Zwischenzone und Fernzone in der Fassung nach oben verschiebt.
Der Begriff stammt vom lateinischen retro, was rückwärts bedeutet, und vom griechischen skopeein, beobachten oder schauen. Pantoskopisch kommt von panto, alles oder jede Richtung, und spiegelt die Vorneigung wider, die bei den meisten Fassungen üblich ist. Retroskopisch beschreibt daher die gegensätzliche Richtung. In der Optik ist die Nomenklatur der Fassengeometrie präzise, weil kleine Neigungsänderungen optische Fehler über die Linsenfläche hinweg verstärken, besonders bei hochstabilen oder asphärischen Designs.