anreißen
Englisch: scribe
Etwas zuschneiden, um es eng an eine unregelmäßige Fläche anzupassen, wie eine Sockelleiste an einen unebenen Boden oder ein Brett an die Kurven einer Profilleiste.
Anschreiben: Holz nach den vorhandenen Gegebenheiten zuschneiden
Anschreiben bedeutet, ein Holzteil, typischerweise eine Leiste oder ein Einbauteil, so zuzuschneiden, dass es dem Verlauf einer unregelmäßigen Nachbarfläche folgt. Die Anschreibelinie wird mit einem Anschreibezirkel, einer Profilschablone oder einer Vorlage gekennzeichnet und dann mit einer Stichsäge, Elektroschneider oder Handsäge ausgeschnitten. Das Ergebnis ist eine so dichte Fuge, dass zwischen den beiden Teilen kein Spalt sichtbar ist, selbst wenn die anzupassende Fläche wellig, schief oder strukturiert ist.
Die häufigste Anwendung ist das Anschreiben von Sockelleisten oder Schuhleisten an einem uneben geneigten oder aufsteigenden Boden. Ein Brett wird senkrecht gegen die Wand gehalten, dann zeichnet ein auf den größten Spalt zwischen Brett und Boden eingestellter Anschreibezirkel das Bodenprofil auf der Rückseite des Bretts nach. Die Zirkelspitze fährt entlang des Bodens, während die Bleistiftspitze das Brett markiert. Die gekennzeichnete Linie wird dann ausgeschnitten und das Brett passt sich dicht an den Boden an, ohne dass Ausgleichskeile oder Spachtelmasse nötig sind. Das Anschreiben von Zierleisten an Leisten in inneren Ecken folgt dem gleichen Prinzip: Das Ende eines Teils wird auf die Stirnflächenprofil der benachbarten Leiste zugeschnitten, statt einfach in einem 45-Grad-Winkel verbunden zu werden.
Warum das Verfahren wichtig ist
Anschreiben vermeidet die optischen und konstruktiven Probleme, die durch das Füllen von Fugen entstehen. Dichtstoff oder Spachtelmasse schrumpft, versagt und zeigt sich als dunkle Linie oder Schattenlinie. Eine richtig angeschriebene Fuge bleibt dicht, sieht sauber aus und ist dauerhafter. Bei längeren Strecken oder komplexen Kurvenverläufen können Fehler Material und Zeit verschwenden, daher sind Genauigkeit beim Markieren und sorgfältige Sägetechnik entscheidend. Manche Schreiner verwenden eine Profilschablone, die die unregelmäßige Kontur mit einer Reihe verschiebbarer Stifte erfasst und es ermöglicht, das Profil ohne wiederholte Messung auf das Werkstück zu übertragen.Der Begriff selbst leitet sich vom Verb anschreiben in der Geometrie und Steinmetzarbeit ab, was bedeutet, Markierungen zu setzen oder zu ritzen. In der klassischen Steinbearbeitung haben Maurer um unregelmäßige Untergründe angeschrieben. Schreiner übernahmen die Praxis für Ausbauarbeiten, wo Aussehen und dichte Verbindungen Anforderungen sind und nicht optional. Anschreiben unterscheidet sich von Aussteigen, das einen rechteckigen Bereich entfernt, und von Fräsen oder Profilieren, das durch eine Maschine ein gebogenes Profil erzeugt.