Tonwahl
Englisch: tone dialing
Ein Telefoniersystem, bei dem jede Ziffer als Impuls mit einer einzelnen Audiofrequenz übertragen wird.
Mehrfrequenzwahl: Audiosignale statt Impulse
Bei der Mehrfrequenzwahl werden Telefonnummern als kurze Audiosignale übertragen, nicht als einzelne elektrische Impulse. Wenn Sie eine Taste auf dem Tastenfeld eines modernen Telefons drücken, erklingen zwei Sinuswellen gleichzeitig für etwa 100 Millisekunden, und die Vermittlungsstelle interpretiert dieses Frequenzpaar als eine bestimmte Ziffer oder ein Symbol. Das Dualton-Mehrfrequenz-System (DTMF) ersetzte die ältere Wählscheiben-Impulsmethode, die Impulse im Takt der Ziffern nacheinander über die Leitung schickte.
Die Standard-DTMF-Tastatur nutzt Frequenzen aus zwei Bereichen: ein niedriger Frequenzbereich (697, 770, 852, 941 Hz) für die vier Reihen und ein hoher Frequenzbereich (1209, 1336, 1477, 1633 Hz) für die vier Spalten. Wenn Sie die Ziffer 5 drücken, entstehen 770 Hz und 1336 Hz gleichzeitig. Dieser zweifrequente Ansatz verhindert Fehlerkennungen, wenn ein einzelner Ton in Sprache oder Rauschen auftritt; nur das korrekte Frequenzpaar löst die Ziffererkennung in der Vermittlung aus.
Die Mehrfrequenzwahl erwies sich aus mehreren Gründen als überlegen. Die Geschwindigkeit war unmittelbar: Impulse brauchten Zeit proportional zur Ziffer, weshalb die 9 neunmal länger dauerte als die 1, während alle Töne die gleiche Übertragungszeit beanspruchten. Bei längeren Fernleitungen über analoge Kupferleitungen litten Tonsignale weniger unter Dämpfung als Impulse. Entscheidend war: Töne konnten denselben Audiopfad wie die Sprachübertragung nutzen und ermöglichten eine leitungsinterne Signalisierung für automatisierte Systeme; Nutzer konnten während eines Gesprächs Ziffern eingeben, um Telefonfunktionen zu steuern oder IVR-Menüs zu navigieren, ohne die Verbindung zu unterbrechen.
Varianten und Grenzen
Das 16-Tasten-Telefontastenfeld hat eine vierte Spalte mit erweiterten Frequenzen (2091 Hz) für die Symbole A, B, C, D, die aber auf privaten Telefonen selten vorkommen. Einige ältere Vermittlungsstellen und Landleitungen arbeiteten ausschließlich mit Impulsen und konnten DTMF nicht erkennen, weshalb Nutzer den Operator um Hilfe bitten oder ihren Service aktualisieren mussten. Mobilfunknetze und VoIP-Systeme übertragen DTMF zuverlässig, doch Kompressions-Codecs bei manchen Gesprächen können die Frequenzen so stark verzerren, dass es zu gelegentlichen Erkennungsfehlern kommt, weshalb Sie manchmal aufgefordert werden, eine Ziffer erneut einzugeben.Der Begriff "Ton" stammt von dem hörbaren Audiosignal selbst; frühe Nutzer hörten buchstäblich musikalische Töne beim Wählen. Wählscheibentelefone erzeugten nur Stille oder das mechanische Rattern der Scheibe. Die akustische Natur von DTMF bedeutet, dass es mit älterer analoger Telefontechnik kompatibel bleibt, ein Merkmal, das den Standard seit seiner Einführung in den 1960er Jahren trotz des Übergangs zu digitalen Vermittlungen und Signalisierungsprotokollen wie SS7 in Gebrauch hält. Heute ist die Mehrfrequenzwahl Standard und wird kaum noch diskutiert, doch sie bildet die Grundlage jeder Telefonnummer, die Sie wählen, und jedes automatisierten Systems, das Sie per Tastatureingabe bedienen.