Trittkurbel betätigen
Englisch: treadle
Eine bestimmte Trittkurbel oder Abfolge von Trittkurbeln am Webstuhl drücken.
Trittbrett: mit den Füßen bediente Pedale zum Heben und Senken der Kettfäden
Ein Trittbrett ist ein Fußpedal unter einem Webstuhl, das die Geschirre bedient, also die Rahmen, die die Kettfäden halten. Wird ein Trittbrett getreten, hebt oder senkt sich ein oder mehrere Geschirre in einer koordinierten Abfolge und erzeugt damit das Fach, die Öffnung zwischen gehobenen und gesenkten Fäden, durch die das Schiffchen fährt. Der Weber tritt die Pedale im Rhythmus der Webstuhlbewegung, um das Gewebe aufzubauen und wiederholt die gleiche Abfolge viele Male während einer Webschicht.
Die mechanische Verbindung vom Trittbrett zum Geschirr unterscheidet sich je nach Webstuhltyp. Bei einem Fußwebstuhl verbindet sich das Trittbrett über Holz- oder Metallstangen mit einem Geschirrerahmen; bei einem Grubenwebstuhl hängen Trittbretter an Riemen über eine Grube und ziehen direkt nach unten. Die Anzahl der Trittbretter bestimmt, welche Kombinationen von Geschirren betätigt werden können: ein Vier-Geschirr-Webstuhl hat üblicherweise vier bis acht Trittbretter und ermöglicht Taffeta-, Köper- und einfache Dessinwebereien. Komplexere Webstühle können zehn oder mehr Trittbretter haben, die mit mehreren Geschirren pro Pedal verbunden sind.
Der Webrhythmus hängt davon ab, die richtige Trittbrettfolge für eine bestimmte Webtechnik zu lernen. Ein Köper erfordert beispielsweise, dass jedes Trittbrett in strenger Reihenfolge getreten wird, um das diagonale Muster aufzubauen. Falsches Treten oder das Drücken des falschen Pedals zur falschen Zeit zerstört das Muster und erzeugt sichtbare Fehler im Gewebe. Erfahrene Weber verinnerlichen die Abfolge so sehr, dass sie ohne bewusste Gedanken arbeiten können, ähnlich wie ein Pianist.
Die körperliche Belastung beim Treten kann erheblich sein. Industrieweberei arbeiten täglich acht bis zehn Stunden an Trittbrettern, oft unter hohen Geschwindigkeiten an Handwebstühlen oder frühen Kraftwebstühlen, bei denen die Trittbrettbewegung noch manuell erfolgte. Wiederholte Belastungsschäden an Beinen und Füßen sind verbreitet. Bei motorisierten Webstühlen wird das Trittbrett durch einen Nocken oder eine elektronische Steuerung ersetzt, aber der Begriff bleibt in Anleitungen und Schulungen für traditionelle Webstühle erhalten.
Das Wort stammt vom Altenglischen tredan (treten oder schreiten). In der Webterminologie wird es als Substantiv und Verb verwendet: der Weber "tritt" das Trittbrett. Der Begriff ist spezifisch für die Weberei; in anderen Handwerken kann pedalgetriebene Ausrüstung nach der Funktion des Pedals benannt werden und nicht mit diesem älteren Wort.