Misclose: wenn sich eine Vermessungslinie weigert, sich zu schließen
Im alltäglichen Sprachgebrauch bedeutet close ein Ende. In der Vermessung bedeutet es etwas viel Strengeres: der Anfangspunkt und der Endpunkt müssen identisch sein.
Eine Schleife zu schließen heißt, zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Im Gespräch kann man eine Diskussion schließen oder eine Tür zumachen. Das Wort deutet auf Endgültigkeit, Vollständigkeit, auf etwas Abgeschlossenes. In der Vermessung ist ein close ebenso endgültig, aber viel anspruchsvoller. Ein Vermesser misst die Grenze eines Grundstücks, indem er von Punkt zu Punkt Peilungen und Entfernungen aufnimmt. Wenn die Arbeit korrekt ist, führt die Kette der Messungen exakt zum Ausgangspunkt zurück und bildet ein geschlossenes Polygon. Der Endpunkt und der Anfangspunkt müssen genau übereinstimmen. Alles andere ist ein Fehler.
Ein misclose ist dieser Fehler. Der Vermesser geht oder fährt die Grenze ab und notiert die Peilung und Entfernung jeder Seite. Diese Messungen werden eingezeichnet, um die Grenze als geschlossene Form zu rekonstruieren. Enthalten die Messungen aber Fehler, kehrt der Endpunkt nicht zum ersten Punkt zurück. Der Abstand zwischen ihnen ist der misclose, manchmal auch error of closure genannt. Er wird als Entfernung ausgedrückt, oft in Fuß oder Metern. Bei hochpräziser Arbeit kann ein misclose von nur einem Fuß bereits inakzeptabel sein und eine Neuvermessung auslösen.
Die Ursache liegt immer in Fehlern bei den Feldmessungen. Eine Peilung unter dem falschen Winkel aufgenommen, eine Messlatte gedehnt oder zu locker, eine Entfernung durch nachlässiges Abschreiten falsch gemessen, kumulativer Kompassdrift, während der Vermesser bergab arbeitet oder über magnetisches Gestein geht. Kein einzelner Fehler muss groß sein. Zehn kleine Fehler, verteilt um die Schleife herum, können sich zu einem erheblichen misclose addieren. Der Vermesser muss herausfinden, welche Messungen fehlerhaft sind, und zurückkehren, um sie erneut zu messen, oder die gesamte Kette mathematisch anpassen, um den Fehler proportional auf alle Seiten zu verteilen; diese Technik heißt balancing.
Der Begriff misclose ist besonders in der Grundstücksvermessung gebräuchlich. In anderen Bereichen messen Vermesser lineare Strukturen wie Straßen oder Rohrleitungen, die einen klaren Anfang und Ende haben; ein closure ist dort irrelevant. Eine Grundstücksgrenze bildet aber per Definition eine geschlossene Figur. Sie muss eine bestimmte Fläche umschließen. Diese rechtliche und geometrische Anforderung ist der Grund, warum closure in der Liegenschaftsvermessung nicht optional ist und ein misclose immer ein zu lösendes Problem darstellt, nicht etwa eine zu übersehende Kleinigkeit.
The dictionary entry
misclose
(noun, surveying)
The discrepancy between the starting point the endpoint of the shape reconstructed from the measured dimensions and bearings of a boundary.