Temple: Heiligtum oder Kettenspanner
Die meisten Menschen betreten einen Tempel zum Beten. In der Mühle hält ein Temple den Stoff während des Webens straff.
Für die meisten von uns ist ein Temple ein Gebäude, das der Anbetung oder religiösen Zeremonien dient. Das Wort hat Gewicht: es benennt Räume der Ehrfurcht und Tradition. Aber am Webstuhl ist ein Temple etwas Einfacheres und Mechanischeres: ein Spreizrahmen, der die Kanten des Gewebes festhält, während es unter dem Schützen wächst.
Der textile Temple besteht aus einem Paar verstellbarer Rollen oder Stangen, meist aus Holz oder Metall, die an den Webkanten (den fertigen Seitenkanten) des Gewebes angebracht sind. Das Gewebe will sich zusammenziehen, wenn der Schuss durch die Kette geht; Spannung und Reibung machen den Stoff schmäler. Der Temple hält ihn auf die richtige Breite offen. Während sich das Gewebe am Webstuhl nach vorne bewegt, bewegt sich der Temple mit ihm und hält die Querdehnung gleichmäßig. Ohne ihn würde das fertige Gewebe an den Kanten tailliert und schwach sein.
Der Name ist alt und sein Ursprung metaphorisch. Der Temple spreitet und hält, genau wie der architektonische Tempel standhaft und aufrecht steht. Beide deuten auf eine Struktur hin, die Halt und Begrenzung bietet. In einigen Sprachen leistet dasselbe Wort in beiden Zusammenhängen Dienste; im Englischen sind sie so weit auseinanderdriften, dass kaum noch jemand die Verwandtschaft erkennt.
Das Temple-Gewand, das von einigen Praktizierenden der Glaubensgemeinschaft der Heiligen der Letzten Tage getragen wird, ist nach dem Gebäude benannt, nicht nach dem Webstuhl. Aber die Metapher bleibt in beiden Fällen bestehen: ein Temple in jeder Form soll etwas Heiliges oder Notwendiges an seinem Platz halten und es davor bewahren, unter Belastung zu schrumpfen oder sich zu verziehen.
The dictionary entry
temple
(noun, textile production)
A contrivance used in a loom for keeping the web stretched transversely.