1Co-Co1
Achsanordnung für Diesellokomotiven mit acht Achsen auf zwei Drehgestellen, wobei sechs Achsen von Elektromotoren angetrieben werden und je eine äußere Achse pro Drehgestell ungekuppelt ist.
1Co-Co1: sechsachsiges Dieselelektrisches Drehgestell-Lokomotivschema
Eine 1Co-Co1-Lokomotive hat acht Achsen, die auf zwei drehbaren Drehgestellen (Bogies) angeordnet sind. Die mittleren vier Achsen jedes Drehgestells werden von Elektrotraktionsmotoren angetrieben, die äußeren Achsen sind nicht angetrieben. Diese Anordnung ergibt insgesamt sechs angetriebene Achsen, daher die Bezeichnung: die äußeren 1er stellen die nicht angetriebenen Achsen dar, während Co-Co drei aufeinanderfolgende angetriebene Achsen auf jedem Drehgestell kennzeichnet. Diese Konfiguration entstand in der Mitte des 20. Jahrhunderts in der europäischen Schienenfahrzeugtechnik, besonders für schwere Güterzüge und Fernverkehr, wo die Zugkraft und die Haftung gegen Gleisbeschädigungen und Unterhaltskosten abgewogen werden mussten.
Die nicht angetriebenen äußeren Achsen, auch Lauf- oder Tragachsen genannt, dienen der Lastverteilung und Spurführung. Sie reduzieren die ungefederte Masse auf den angetriebenen Achsen und verbessern die Rad-Schiene-Kontaktgeometrie, besonders in Kurven und auf abgefahrenem Gleis. Das verhindert die charakteristische Wankelbewegung, die bei vollständig angetriebenen Drehgestellen mit Fahrt auftritt. Das 1Co-Co1-Schema ist daher ein mechanischer Kompromiss zwischen der vollständig angetriebenen Bo-Bo (vier Achsen, alle angetrieben) und schwereren Anordnungen wie Co-Co (sechs angetriebene Achsen) oder 2-Co-Co-2 (acht angetriebene Achsen mit Lauf- und Trag-Drehgestellen vorne und hinten).
Zugkraft und Haftung: Zielkonflikte
Bei sechs von acht angetriebenen Achsen kann eine 1Co-Co1 erhebliche Zugkraft entwickeln und gleichzeitig Haftungsfaktoren im akzeptablen Bereich halten. Bei trockener Schiene begrenzt die Haftung; bei nasser oder verschmutzter Schiene können die angetriebenen Achsen durchdrehen, bevor sie ihr maximales Drehmoment erreichen. Die nicht angetriebenen äußeren Achsen rutschen nicht durch und ihre Last hilft, das Drehgestell bei starker Beschleunigung zu stabilisieren. Dieses Design war bei Loks in der 50- bis 100-Tonnen-Klasse beliebt, die auf Regional- und Nebenstreckennetzen mit wechselhaften Gleisbedingungen und knappen Unterhaltsbudgets operierten.
Die 1Co-Co1 ist in Nordamerika seltener als Bo-Bo, wurde aber von europäischen Bahnen großflächig eingeführt, besonders von Schweizer, deutschen und skandinavischen Betreibern. Ihr Einsatz nahm nach den 1980er Jahren ab, als homogenere Bo-Bo-, Co-Co- und Gelenkfahrzeug-Designs bei Neubauaufträgen dominierten. Allerdings fahren Museumloks und Museumsbahnen noch immer 1Co-Co1-Lokomotiven aus den 1950er und 1960er Jahren, und das Drehgestell bleibt in bestimmten regionalen Güterzuganwendungen relevant, wo niedrige Achslasten erforderlich sind.