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Luftfahrttechnik

Aerocapture

Englisch: aerocapture

Eine Form des Aerobrakings, bei der ein Raumfahrzeug atmosphärischen Widerstand nutzt, um von einer hyperbolischen Flugbahn in eine geschlossene Umlaufbahn abzubremsen; dies eliminiert den Bedarf für einen großen Bahneinschuss und erfordert nur kleine Korrekturbrennvorgänge, um das Periapsis des Raumfahrzeugs aus der Atmosphäre zu erhöhen.

Aerocapture: Die Atmosphäre als Bremse zum Erreichen der Umlaufbahn

Aerocapture ist ein Verfahren zum Eintritt in eine Umlaufbahn, bei dem ein Raumfahrzeug absichtlich in die obere Atmosphäre eines Planeten eindringt, um durch Luftwiderstand an Geschwindigkeit zu verlieren, anstatt seine Triebwerke zu zünden. Ein Raumfahrzeug, das aus dem Weltall auf einer hyperbolischen Bahn ankommt (eine Bahn, die den Planeten ganz verlassen würde), streift die dünne äußere Atmosphäre, typischerweise in Höhen zwischen 40 und 120 Kilometern, je nach Zielkörper. Der aerodynamische Widerstand wirkt wie eine natürliche Bremse und reduziert die Geschwindigkeit des Raumfahrzeugs so weit, dass es von einer Fluchtbahn in eine gebundene elliptische Umlaufbahn übergeht. Nach der Einfangung erhöhen kleine Korrekturmanöver das Perizentrum (tiefster Punkt) wieder aus der Atmosphäre hinaus auf eine sichere, stabile Höhe.

Der Reiz von Aerocapture liegt in der Treibstoffeffizienz. Ein herkömmliches Einfangmanöver erfordert das Verbrennen ausreichend Treibstoff, um die Orbitalgeschwindigkeit des Planeten zu erreichen, was je nach Missionsplanung 25 bis 40 Prozent der Treibstoffmasse eines Raumfahrzeugs verbraucht. Aerocapture ersetzt den Großteil dieses Manövers durch einen einzigen Atmosphärenflug und spart erhebliche Masse und Kosten. Das Raumfahrzeug braucht nur noch ausreichend Treibstoff für die kleinen Korrekturmanöver danach. Dieser Effizienzgewinn wird entscheidend für schwere Nutzlasten, die zum Mars, zur Venus oder zu anderen Körpern mit Atmosphäre fliegen; der beim Einfang eingesparte Treibstoff kann für Landesysteme, Instrumente oder verlängerte Missionszeiten genutzt werden.

Die Durchführung erfordert Präzision und strukturelle Robustheit. Das Raumfahrzeug muss die Atmosphäre in einem flachen Winkel eindringen, typischerweise 2 bis 4 Grad von der Horizontalen, um weder zurück ins All zu springen (zu flach) noch zu verbrennen oder die strukturelle Integrität zu verlieren (zu steil). Maximale Wärmestrahlung und Verzögerungskräfte treten im dichtesten Teil des Durchgangs auf. Das Raumfahrzeug nutzt entweder sein bestehendes Wärmeschutzsystem oder trägt einen speziellen Hitzeschutzschild; das Ausmaß von Wärme- und mechanischer Belastung hängt von Eintragsmasse, Geschwindigkeit und Atmosphärendichte ab. Da jeder Durchgang unterschiedlich ist, sind Raumfahrzeuge, die Aerocapture durchführen, mit detaillierten Beschleunigungsmessern und Temperatursensoren ausgestattet, um zu bestätigen, dass die Einfangung gelungen ist, und um die Korrekturmanöver zu lenken.

Aerocapture versus Aerobraking

Aerocapture und Aerobraking werden oft verwechselt. Aerobraking besteht aus wiederholten Durchgängen durch die Atmosphäre über Wochen oder Monate hinweg, wobei jede Umlaufbahn das Apozentrum (fernster Punkt) schrittweise senkt, bis die gewünschte kreisförmige Umlaufbahn erreicht ist. Aerocapture ist ein einzelner oder sehr wenige Durchgänge, die das Einfangmanöver in einem Zug vollziehen. Aerobraking ist sanfter und verteilt Wärmestrahlung und Belastung über viele Zyklen, während Aerocapture ein hochrisikantes, hochgewinnbringendes Einzelereignis ist, das Treibstoff spart, aber auf Kosten konzentrierter Wärme- und Strukturbelastungen.

Aerocapture bleibt in der Praxis experimentell. Keine bemannte Mission hat es bislang operativ durchgeführt, teilweise weil die engen Fehlertoleranzen außergewöhnliche Präzision in der Bahnplanung und Atmosphärenmodellierung erfordern. Unbemannte Sonden haben ähnliche Techniken demonstriert: Magellan und Galileo nutzten Aerobraking bei der Venus und dem Jupiter; zukünftige Missionen zur Probenrückführung vom Mars werden mit Aerocapture-Architektur entworfen, um Treibstoffanforderungen zu senken. Das Verfahren erfordert eine genaue Charakterisierung vor der Mission des Atmosphärendichteprofils des Zielkörpers, seiner Variabilität und Winde, ein Wissen, das sich mit jeder Mission zu einem bestimmten Körper verbessert.

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