Sprödbruch
Englisch: brittle fracture
Bruchform ohne plastische Verformung.
Spröder Bruch: plötzliches Versagen ohne Vorwarnung
Spröder Bruch ist das plötzliche, katastrophale Versagen eines Werkstoffs mit wenig oder gar keiner plastischen Verformung davor. Der Werkstoff bricht sauber und scharf, wobei die gespeicherte elastische Energie auf einmal freigesetzt wird. Das steht im Gegensatz zum duktilen Bruch, bei dem sich der Werkstoff dehnt, verjüngt und sichtbar verformt, bevor er schließlich auseinanderbricht. Bei sprödem Bruch gibt es fast keine Vorwarnung: das Bauteil sieht intakt aus, dann versagt es sofort.
Die Bruchfläche selbst ist das diagnostische Erkennungszeichen. Spröde Brüche zeigen eine glatte, ebene oder leicht körnige Fläche senkrecht zur angelegten Spannung. Unter Vergrößerung sieht man oft Flusslinien oder Spaltflächen, wo der Riss entlang von Korngrenzen gefolgt ist. Ein duktiler Bruch dagegen zeigt eine grübchenförmige oder faserrige Oberfläche und eine Mulden- und Kegelform am Rand. Der Unterschied ist sofort erkennbar für jeden, der gebrochene Teile nebeneinander untersucht hat.
Temperatur und Werkstoffeigenschaften
Sprödigkeit ist nicht unveränderlich. Viele Werkstoffe, die bei Raumtemperatur duktil sind, werden bei niedriger Temperatur spröde. Stahl ist das klassische Beispiel: eine gekerbte Stahlprobe wird unterhalb ihrer Übergangstemperatur, typischerweise irgendwo zwischen minus 30 und plus 10 Grad Celsius je nach Legierung und Dicke, spröde brechen. Gusseisen, Beton und Keramiken sind über die meisten Einsatzbereiche hinweg von Natur aus spröde. Austenitischer Edelstahl bleibt zäh selbst bei kryogenen Temperaturen, während ferritische Stähle das nicht tun.
Hohe Dehngeschwindigkeiten fördern ebenfalls spröden Bruch. Ein langsamer Zugzug kann duktiles Fließen erzeugen, aber eine Stoß- oder Schocklast kann in demselben Werkstoff sprödes Versagen auslösen. Kerben, scharfe Ecken und Spannungskonzentrationen machen spröden Bruch wahrscheinlicher, indem sie die Spannung in ein kleines Volumen konzentrieren und den Werkstoff daran hindern, die Last durch plastisches Fließen zu verteilen. Dicke Querschnitte brechen leichter spröde als dünne, weil die Behinderung in Dickungsrichtung seitliche Verformung verhindert.
Spröder Bruch war die Grundursache katastrophaler Ausfälle bei Brücken, Schiffen, Druckbehältern und Baustahl bei kaltem Wetter. Die Liberty Ships des Zweiten Weltkriegs erlitten viele plötzliche Ausfälle, weil Konstrukteure die Verschiebung des Bruchmodus bei den Temperaturen des Nordatlantiks, in dem sie fuhren, nicht berücksichtigten. Die moderne Bruchmechanik nutzt den Spannungsintensitätsfaktor K und die Bruchzähigkeit KIC, um vorherzusagen, ob ein Riss spröde oder stabil fortschreitet, und ermöglicht es Ingenieuren, sichere Betriebsgrenzen und Inspektionsintervalle auf Grundlage der tatsächlichen Werkstoffeigenschaften und des Schweregrades vorhandener Fehler festzulegen.