Überblattung
Englisch: cross-halving joint
Eine Verbindung für Zwischenbälkung, bei der an der Kreuzungsstelle die halbe Holzdicke von beiden Teilen abgenommen wird.
Kreuzversatz: zwei Hölzer, je zur Hälfte bearbeitet, sperren sich rechtwinklig
Ein Kreuzversatz, auch Versatzkreuz genannt, entsteht, wenn zwei Holzstücke sich rechtwinklig kreuzen und an der Überlapung jeweils die halbe Dicke entfernt wird. Das Ergebnis ist eine flache, ineinandergreifende Verbindung, bei der die beiden Teile bündig aufeinander liegen und auf beiden Seiten die gleiche Ebene bilden. Dies erzeugt eine starke mechanische Sperrung ohne Befestigungsmittel, obwohl zur Verstärkung oft Nägel oder Dübelstifle hinzugefügt werden.
Die Bearbeitung beginnt mit genauen Anrissen. Die Breite eines Holzes wird über das andere angerissen, dann die Tiefe (halbe Dicke) auf beiden Teilen. Beide Hölzer werden dann mit einer Säge, meist einer Fuchsschwanzsäge, geschnitten, um den mittleren Bereich halber Dicke innerhalb des Anrisses zu entfernen. Die Schnitte müssen rechtwinklig und parallel sein, sonst wackelt die Verbindung. Mit Stemmeln wird das Ausbruchholz entfernt und die Schulterkanten flach abgearbeitet. Sitzt ein Teil zu eng, lässt es sich abhobeln, aber bei zu loser Passung ist die Verbindung nicht brauchbar.
Dieser Versatz tritt in Tragwerk auf, wo Hölzer sich kreuzen, aber in einer Ebene bleiben und Kraft übertragen müssen. Er ist häufig in Dachbindern, tragenden Aussteifungen und Fachwerk zu finden. Die Kraft wird annehmbar gut weitergeleitet, da das mechanische Ineinandergreifen verhindert, dass ein Teil unter Querkraft über das andere gleitet. Die ebenen Flächen machen ihn auch für Arbeiten geeignet, wo eine saubere Optik zählt, da die Verbindung bündig sitzt und nicht versetzt ist.
Kreuzversätze schwächen beide Hölzer an der Kreuzungsstelle, weil Material entfernt wird. Die wirksame Tiefe jedes Teils wird im Versatzbereich auf halbe Originaldicke reduziert. Das ist bei untergeordneten Bauteilen und geringen bis mittleren Lasten akzeptabel, aber bei stark belasteten Hauptträgern sind Alternativen wie Zapfen und Mortise oder geschraubte Verbindungen zu bevorzugen. Der Versatz ist auch anfällig für Risse, wenn die Faserung ungünstig über die Schulterkanten verläuft.
Der Name ist wörtlich gemeint: die beiden Teile versetzen sich gegenseitig durch Entfernen halber Dicke, und sie treffen sich im Kreuz. Er unterscheidet sich von einem Eckversatz, wo Hölzer sich an der Ecke eines Rahmens treffen, oder von einem Stirnversatz, wo ein Holz teilweise über das Ende eines anderen sitzt. Der Kreuzversatz bleibt ein Standarddetail in der handwerklichen Zimmerei und wird noch heute verwendet, wenn optische Qualität und Materialeffizienz die erforderliche Handarbeit für einen genauen Schnitt rechtfertigen.