spalten
Englisch: rive
Technik zum Spalten oder Sägen von Holz radial aus einem Stamm anwenden, zum Beispiel zum Herstellen von Schindeln.
spalten: Holz fasertreu spalten, die alte Handwerksmethode
Spalten bedeutet, Holz radial zu teilen, indem man der Faser folgt und vom Mittelpunkt eines Stammes nach außen arbeitet. Anders als beim Querschneiden oder Neubesäumen bricht das Spalten das Holz entlang seiner natürlichen Faserlinien auseinander, statt quer hindurchzuschneiden. Das Ergebnis sind Bretter, Schindeln, Fassdauben oder andere Teile mit überlegener Festigkeit in Faserrichtung und besserer Widerstandskraft gegen Verformung als gesägte Ware.
Das Verfahren nutzt die Tatsache, dass Holz entlang der Faser wesentlich leichter spaltet als quer dazu. Ein Spaltbeitel (ein dünnblättriges Spaltwerkzeug mit rechtwinklig zur Klinge angesetztem Griff) oder ein Spaltkeil wird in das Ende eines Stammes getrieben, und die Spalte breitet sich in einer Ebene aus, die dem natürlichen schwächsten Weg der Faser folgt. Die entstehenden Bretter sind an der Außenseite des Stammes dicker und verjüngen sich zur Mitte hin; die historische Herstellung von Dachschindeln nutzte diese Variation bewusst aus, wobei die breiteren äußeren Bretter bessere Überdeckung und Witterungsschutz boten.
Von Handwerk zu industrieller Praxis
Das Spalten von Hand war vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert in Regionen mit geeignetem Holzbestand die vorherrschende Methode zur Herstellung von Schindeln, Fassdauben und Verkleidungen. Ein geschickter Spalter konnte stehend über einem Stamm arbeiten und durch Schwerkraft und geschickte Keileinsätze die Spaltrichtung kontrollieren. Industrielle Sägewerke verdrängte diese Arbeit größtenteils, aber das Spalten wird noch in spezieller Fertigung praktiziert: handgespaltene Schindeln erzielen Spitzenpreise für Dacheindeckung und Verkleidung, weil sie Wasser zuverlässiger ableiten als gesägte Produkte, und manche Fassbinder spalten Holz immer noch für dichte Fassbinderei.
Radial gespaltenes Holz zeigt eine andere Faserausrichtung als gesägte Bretter. Die Faser verläuft ungefähr senkrecht zur Oberfläche, was radiales Schwinden und Verformung mindert. Deshalb zeigen alte Gebäude mit gespaltener Holzverkleidung oft weniger Witterungsschäden als solche mit gesägten Brettern. Das Verfahren verschleißt weniger Material als das Neubesäumen eines Stammes in parallele Bretter, da kein Sägespalt verloren geht.
Das Wort stammt aus altenglischen und altnordischen Wurzeln mit der Bedeutung zerreißen oder spalten. In der modernen Zimmerei wird Spalten am häufigsten als Fachbegriff für die Herstellung von handgespaltenen Schindeln verwendet und in der Holzrahmenkonstruktion bei Restaurierung und Instandhaltung, wenn ursprüngliche gespaltene Verkleidungen oder Schindeln angepasst oder instandgesetzt werden müssen.