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Elektrotechnik

Nebensprechstörung

Englisch: crossed line

Situation, bei der Teile eines zweiten Telefongesprächs für die Teilnehmer einer bestehenden Verbindung höbar sind.

Fremdleitung: wenn zwei Gespräche sich überlagern

Eine Fremdleitung entsteht, wenn Tonfolgen aus einem Telefonmodul für andere Gesprächsteilnehmer hörbar werden, die gleichzeitig ein anderes Gespräch führen. Der Anrufer hört Bruchstücke oder das gesamte Gespräch von Fremden, meist nur kurz, bis die Störung abklingt. Es ist keine absichtliche Verbindung oder Konferenzschaltung, sondern ein Fehler des Vermittlungssystems oder der Übertragungsstrecke, das zwei Schaltkreise nicht ordnungsgemäß isoliert hält.

In analogen Telefonnetzwerken entstehen Fremdleitungen durch physikalische Nähe und Induktion zwischen Kupferdoppeladeradern im gleichen Kabelbündel oder durch Mängel in der Vermittlungsmatrix, die zwei getrennte Schaltkreise vorübergehend überbrücken. Ein Techniker an einer Handvermittlung könnte versehentlich einen Stecker in das falsche Loch stecken, oder Verschleiß der Aderisolation könnte Signalübertragung zwischen benachbarten Aderadern ermöglichen. In älteren elektromechanischen Vermittlungsämtern konnte mechanischer Verschleiß oder Fehlausrichtung von Schrittschaltern dazu führen, dass Kontakte falsche Klemmen berührten. Die Auswirkung war immer vorübergehend, weil der Fehler die Isolation unterbricht, nicht die Verbindungen selbst.

Digitale Telefonsysteme machten Fremdleitungen weit seltener, da die Bit-Ebenen-Trennung in Paketvermittlung und Zeitmultiplexverfahren nicht auf physikalischer Isolation beruht. Der Begriff blieb jedoch als kulturelle Referenz bestehen, lange nachdem das technische Risiko gegen null gesunken war. Moderne Zwischenfälle, die als Fremdleitungen in Sprachnetzen diagnostiziert werden, sind üblicherweise Softwarefehler in Anroutetabellen oder Fehlkonfiguration von Schaltkreiszuweisungen, nicht das Nebensprechen zwischen Kabeladern, das die Analogzeit plagte.

Die Störung für den Angerufenen liegt auf der Hand, doch die geschäftliche Auswirkung auf ein Telefonunternehmen war messbar. Kunden, die wiederholte Fremdleitungen erlebten, reichten Beschwerden bei Behörden ein; Vermittler, die sie durch unsorgfältiges Stecken verursachten, mussten mit Disziplinarmaßnahmen rechnen. Die Prüfung auf Nebensprechen wurde zur Standardwartungsprozedur auf Fernnetzleitungen, auf denen viele Schaltkreise parallel über hunderte von Kilometern liefen.

Der Begriff Fremdleitung gelangte in die Alltagssprache, weil gewöhnliche Benutzer damit unerwartet konfrontiert wurden. Im Gegensatz zu einem Besetztzeichen oder einer toten Leitung wirkte eine Fremdleitung zufällig und leicht aufdringlich. Heute lebt die Bezeichnung in Redewendungen und in historischen Dokumentationen der Fernsprechentechnik weiter, obwohl der Mechanismus, der sie verursachte, längst aus dem Betrieb konstruktiv beseitigt worden ist.

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