EGPRS
Abkürzung für Enhanced General Packet Radio Service.
EGPRS: schnellere Daten in älteren Mobilfunknetzen
EGPRS ist ein paketvermes Datenprotokoll, das auf GSM-Mobilfunknetzen (Global System for Mobile Communications) läuft. Es stellt die Weiterentwicklung von GPRS, dem älteren Paketfunkstandard, dar und bietet ungefähr drei bis vier Mal höheren Durchsatz durch ein Modulationsverfahren namens 8-PSK (Eight-Phase-Shift Keying) neben der ursprünglichen GPRS-Modulation. Während GPRS auf etwa 40 bis 50 Kilobit pro Sekunde begrenzt war, konnten EGPRS-Systeme in echten Einsatzszenarien 120 bis 220 Kilobit pro Sekunde erreichen, obwohl die theoretischen Maximalwerte noch höher lagen.
Der Gewinn kam von dichterer Modulation und Linkadaption: Die Funkausrüstung überwacht kontinuierlich die Signalqualität und wechselt zwischen Modulations- und Codierungsverfahren, um die Bedingungen anzupassen. Starkes Signal bedeutet dichtere Modulation und weniger Fehlerkorrektionsaufwand; schwaches Signal führt zum Fallback auf einfachere, robustere Verfahren. Diese dynamische Anpassung ermöglicht es EGPRS, auch bei beweglichen Endgeräten durch variable Abdeckung eine angemessene Geschwindigkeit zu halten, anstatt entweder bei niedriger Geschwindigkeit stecken zu bleiben oder die Verbindung zu unterbrechen.
Einsatz und zeitlicher Verlauf
EGPRS erschien ab etwa 2003 in GSM-Netzen und wurde parallel zur bestehenden GPRS-Infrastruktur eingeführt. Es erforderte Hardware-Upgrades an Basisstationen und in Endgeräten, nutzte aber das gleiche Spektrum und Kernnetz. Viele Netzbetreiber setzten es als Übergangslösung ein, bevor sie sich auf 3G (UMTS) festlegten, besonders in Regionen, wo die 3G-Einführung verzögert war. Bis in die frühen 2010er Jahre hinein war es in etablierten GSM-Märkten Standard, wobei die Abdeckung in ländlichen Gebieten jedoch weiterhin lückenhaft blieb.
Das Protokoll führte ein seltsames Doppelleben. Es war schneller als GPRS, aber langsamer als gleichzeitige UMTS- oder CDMA2000-Netze, kam an, nachdem 3G in wohlhabenden Märkten bereits gestartet war, und wurde durch 4G LTE obsolet. Es fand aber echte Anwendung in M2M-Anwendungen (Machine-to-Machine) und in Ländern, wo GSM-Infrastruktur 3G um ein Vielfaches überstieg. Industrielle Telemetrie, Fernsensoren und Utility-Überwachung verließen sich oft auf EGPRS, weil die Signalreichweite und das Kostenprofil diese Workloads besser eigneten als schnellere, aber stromhungrigere 3G-Systeme.
EGPRS ist heute in den meisten entwickelten Netzen Altentechnik, abgeschaltet oder zweckentfremdet für Schmalband-IoT-Protokolle. Aber in Teilen Afrikas, Asiens und des Nahen Ostens war die Abschaltung schrittweise, und einige GSM-Netze transportieren immer noch EGPRS-Verkehr für Legacy-Anwendungen, die niemals auf neuere Standards migriert wurden.