Datex2
Datenaustauschstandard für den Informationsaustausch zwischen Verkehrsmanagementsystemen.
Datex2: die Verkehrsdatensprache zwischen Verkehrszentralen
Datex2 ist ein XML-basierter Datenaustauschstandard, der es Verkehrsmanagementsystemen, Straßenverkehrsbehörden und Transportbetreibern ermöglicht, Verkehrsinformationen in Echtzeit in strukturierter, maschinenlesbarer Form auszutauschen. Er entstand aus Arbeiten des Europäischen Komitees für Normung (CEN) und ist jetzt formal in EN ISO 19115 definiert. Damit wird Interoperabilität über nationale Grenzen hinweg und zwischen Systemen verschiedener Hersteller erreicht.
Der Standard erfasst Verkehrsvorfälle, Stauungen, Straßenarbeiten, Parkplatzauslastung, Verspätungen im öffentlichen Nahverkehr, Wettergefährdungen und Fahrtbeschränkungen. Jede Information ist mit Metadaten versehen, darunter Ortscodes, Zeitstempel, Schweregrad und voraussichtliche Dauer. Diese Struktur erlaubt es einer Verkehrszentrale in einer Stadt, eine Unfallmeldung an Nachbarregionen zu senden, oder einem Autobahnbetreiber, Verzögerungen zeitgleich an mehrere Dienste zu veröffentlichen, ohne die Daten für jeden Empfänger neu zu formatieren.
Datex2 existiert in mehreren Profilunterkategorien für spezifische Anwendungsfälle: das Verkehrsinformationsprofil behandelt Vorfälle und Stauungen, das Parkingprofil verwaltet Platzauslastung, das Fahrzeugdatenprofil erfasst Connected-Vehicle-Telemetrie. Die meisten EU-Mitgliedstaaten haben Datex2 für ihre nationalen Verkehrsinformationsaustausche übernommen, oft verpflichtend durch die Richtlinie über Intelligente Verkehrssysteme. Die Umsetzung ist unterschiedlich: Manche Zentralen nutzen vollständige XML-Dokumente mit vollständigem Schema, andere übertragen nur wesentliche Felder, um Bandbreite in überlasteten Netzen zu sparen.
In der Praxis empfängt eine Verkehrszentrale Datex2-Datenströme aus mehreren Quellen: in Straßenoberflächen eingelassene Induktivschleifen melden Geschwindigkeit und Verkehrsaufkommen, Polizeieinsatzprotokolle dokumentieren Vorfälle, Straßenunterhaltungskolonnen aktualisieren die Grenzen von Arbeitszoneneinsätze, Wechselverkehrszeichen geben manuell eingegebene Hinweise durch. Die Zentrale aggregiert, validiert und repackt diese Daten anschließend in ausgehende Datex2-Datenströme zur Verteilung an Navigationsamwendungen, Wechselverkehrszeichen und andere nachgelagerte Systeme. Validierungsfehler, fehlerhafte Zeitstempel oder unvollständige Ortsangaben sind häufige Problembereiche.
Der Name verweist auf seinen Vorgänger Datex, ein früheres Verkehrsdatenformat mit begrenzterem Umfang und schwächerer Standardisierung. Datex2 steht für den Second-Generation-Ansatz: breitere Abdeckung, strengere Schema-Durchsetzung, explizite Unterstützung grenzüberschreitender Datenflüsse. Es bleibt getrennt von anderen Verkehrsstandards wie SIRI (Echtzeitdaten öffentlicher Verkehrsmittel) und NTCIP (Verkehrssignalsteuerung), obwohl Verkehrszentralen häufig Systeme betreiben, die alle drei Sprachen beherrschen.