Verschiebung
Englisch: displacement
Übertragung von Strom durch Induktionsröhren mit dadurch bewirkter Polarisierung eines Dielektrikums
Verschiebung: wie Dielektrika elektrische Ladung speichern
Verschiebung, formal elektrische Verschiebung oder das D-Feld genannt, misst, wie viel elektrische Ladung sich in einem dielektrischen Material ansammelt, wenn ein elektrisches Feld angelegt wird. Sie unterscheidet sich vom elektrischen Feld selbst, weil sie sowohl die freien Ladungen berücksichtigt, die das Feld antreiben, als auch die Polarisation der gebundenen Ladungen des Materials. In Versorgungs- und Stromnetzen tritt die Verschiebung überall dort auf, wo Isolierstoffe Leiter trennen: in Kabelisolation, Transformatorenöl und Kondensatorbänken.
Der Unterschied ist wichtig, weil ein Dielektrikum ein angelegtes Feld nicht einfach unverändert weiterleitet. Wenn eine Spannung über einen Spalt oder durch eine Isolation angelegt wird, reagieren die Moleküle oder Atome in diesem Material, indem sie ihre Elektronenhüllen leicht verschieben und mikroskopische Dipole erzeugen, die das ursprüngliche Feld teilweise ausgleichen. Die Verschiebung erfasst die gesamte elektrische Wirkung, ohne diese molekularen Verschiebungen separat verfolgen zu müssen. Sie wird in Coulomb pro Quadratmeter gemessen und wird in Ingenieurtexten oft mit D bezeichnet.
Praktische Rolle in elektrischen Systemen
Bei der Hochspannungskabelauslegung bestimmt die Verschiebung, welche elektrische Beanspruchung die Isolation erfährt. Ein Material mit hoher Permittivität (relative Permittivität oder Dielektrizitätskonstante) ermöglicht stärkere Verschiebung, ohne die tatsächliche Feldstärke proportional zu erhöhen, weshalb Mineralöl oder spezielle Kunststoffe für die Transformatorenisolation bevorzugt werden. Die Beziehung lautet: D entspricht Permittivität mal Feldstärke. Eine Fehlkalkulation der Verschiebung kann zu Isolationsausfall, Teilentladung oder Baumung (Wachstum leitfähiger Pfade durch feste Isolation) führen.
In Kondensatorbänken zur Blindleistungskompensation ist die Verschiebung beabsichtigt und erwünscht; die ganze Anordnung ist dazu konstruiert, Ladung durch die Nutzung der dielektrischen Eigenschaften des Materials zwischen den Platten zu speichern und freizugeben. Stromnetztechniker müssen den Verschiebungsstrom berücksichtigen, der hinter dem Leitungsstrom zurückbleibt und sich von ihm unterscheidet, wenn sie die Übergangsvorgänge in Netzen analysieren und Ausrüstungen gegen Schaltstoßspannungen schützen.
Der historische Begriff "Verschiebung" stammt aus der anschaulichen Vorstellung der Ladungstrennung im Dielektrikum: das Feld verschiebt die positiven und negativen Ladungen in entgegengesetzte Richtungen und erzeugt so eine gespeicherte Polarisation. Obwohl die moderne Theorie dies eher als Feldgröße denn als mechanische Verschiebung behandelt, bleibt der Name in Normen und Handbüchern erhalten.