Reihenschluss
Englisch: series-wound
Bei einem Elektromotor: Wicklungen, die in Reihe geschaltet sind.
Reihenschlussmotor: Motorwicklung, die den gesamten Strom über einen Pfad leitet
Ein Reihenschlussmotor verbindet seine Feldspulen und Ankerwicklung in einem einzigen Stromkreis, so dass der volle Laststrom nacheinander durch beide fließt. Dies unterscheidet sich von Nebenschlussmotoren, bei denen Feld- und Ankerkreise parallel laufen, oder von Doppelschluss-Motoren, die beide Anordnungen nutzen. Die Reihenschaltung schafft eine unmittelbare Beziehung zwischen Last und Magnetfeldstärke: Mit steigender mechanischer Last steigt der Strom und damit auch das Magnetfeld.
Reihenschlussmotoren liefern sehr hohes Anfahrtsdrehmoment und können schwere Lasten aus dem Stillstand mit verhältnismäßig geringem Anfangsstrom in Bewegung setzen. Dies macht sie zur Standardlösung für Zugapplikationen: Elektrozüge, Straßenbahnen und Gabelstapler setzen auf Reihenschlussbauarten. Die Drehmoment-Strom-Kennlinie ist steil, was bedeutet, dass der Motor sich natürlicherweise an Laständerungen anpasst ohne externe Regelung. Eine leichte Last lässt den Motor schneller laufen; eine schwere Last bremst ihn ab und erhöht automatisch Strom und Drehmoment.
Kompromisse und praktische Grenzen
Der Preis für hohes Anfahrtsdrehmoment ist schwaches Leerlaufverhalten. Ein Reihenschlussmotor ohne mechanische Last beschleunigt gefährlich gegen Durchgangsdrehzahlen, zieht übermäßigen Strom und riskiert Beschädigungen. Aus diesem Grund benötigen Reihenschlussmotoren immer eine Lastverbindung oder mechanische Bremse und dürfen niemals unbelastet betrieben werden. Sie sind auch weniger stabil bei konstanter Drehzahl als Nebenschlussmotoren und empfindlicher gegenüber Netzspannungsschwankungen.
Moderne Reihenschlussmotoren sind für Gleichstrom ausgelegt oder arbeiten als Universalmotoren am Wechselstromnetz, wo sie gut funktionieren, da die Reihenschaltung auch bei Wechselstrom gleich wirkt. Wechselstrom-Reihenschlussmotoren erzeugen bei höheren Drehzahlen merkliches Rauschen und Funkstörungen durch Kommutatorfunkenflug. Reihenschlussbauarten sind heute in feststromigen Industrieanwendungen weniger verbreitet, da sie durch Drehstrom-Asynchronmotoren und Frequenzumrichter verdrängt wurden, bleiben aber Standardlösung in tragbarem Elektrowerkzeug, Fahrzeugstartern und Schienentraktion, wo hohe Drehmomenddichte und natürliche Lastanpassung unverzichtbar sind.