FF
Der Ferrari FF (Ferrari Four), ein allradgetriebener Gran Tourer von Ferrari
FF: Ferraris viersitzige Antwort auf praktische Anforderungen mit Allradantrieb
Der FF ist ein Frontmotor-Allradantrieb-Gran Tourer, den Ferrari von 2011 bis 2017 produzierte. Er sollte eine Vorgabe erfüllen, die Ferraris Identität zu widersprechen schien: ein Auto bauen, das vier Erwachsene befördern kann, Gepäck mitführt und Winterstraßen meistert, ohne auf Leistung zu verzichten. Das Akronym steht für Ferrari Four und würdigt sowohl die vier Sitze als auch das Allradsystem, das ihn von Ferraris Tradition der heckgetriebenen Zweisitzer unterscheidet.
Mechanisch sitzt der FF auf einem Kohlefaser-Chassis und nutzt Ferraris 6,3-Liter-V12 mit 651 PS, longitudinal vor dem Fahrerhaus montiert. Das Allradsystem, gemeinsam mit Audi entwickelt, verteilt die Kraft über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe auf alle vier Räder; Traktion und Drehmomentverteilung passen sich dynamisch an Fahrbahnzustand, Geschwindigkeit und Fahrereingaben an. Diese Architektur ermöglicht dem FF eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 3,7 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h, Werte, die reine Sportwagen erreichen, obwohl das Auto zusätzliche Masse und Luftwiderstand durch die hintere Passagierunterbringung hat.
Das praktische Ferrari-Paradoxon
Der FF war für Besitzer gedacht, die Ferrari-Leistung wollten, aber Familie und Fracht transportieren mussten. Eine motorisierte Glasklappe öffnet einen hinteren Laderaum mit 487 Litern Volumen, wenn die Sitze umgeklappt sind, ungewöhnlich für einen Ferrari der mittleren Preisklasse. Beheizte Ledersitze hinten und eine klimatisierte Kabine machten Fernfahrten praktikabel. Der Allradantrieb, kombiniert mit elektronischer Stabilitätskontrolle und winteroptimierten Aufhängungsgeometrien, bedeutete, dass das Auto zuverlässig auf Schnee und nassen Straßen gefahren werden konnte, wo heckgetriebene Ferraris gefährlich wären.
Der FF wurde nie ein Massenverkaufsmodell; Ferrari produzierte weniger als 3.000 Exemplare während seiner Produktionsdauer. Sammler und Enthusiasten sahen das Design als pragmatischen Kompromiss statt als reine Ausdrucksform. Das Nachfolgemodell, der GTC4Lusso, führte einen milden Hybrid-Antrieb ein und verfeinerte das Konzept des praktischen Gran Tourers weiter. Dennoch nimmt der FF eine eigene Position in Ferraris Katalog ein: Er bewies, dass die Marke ein funktionsfähiges, praktisches Auto bauen konnte, ohne ihre technische DNA aufzugeben, und zeigte, dass Maranello Märkte außerhalb traditioneller Sportwagenfahrer verstand.