Schlagwetter
Englisch: firedamp
Brennbares Gas (überwiegend Methan) in Kohlegruben; bildet mit Luft ein explosives Gemisch.
Schlagwetter: Methangas, das in Kohlegruben explodiert
Schlagwetter ist Methangas, das aus Kohleflözen und umgebenden Gesteinsschichten in unterirdischen Bergwerken freigesetzt wird. Es sammelt sich in den oberen Ecken und Hohlräumen von Arbeitsbereichen, da Methan leichter als Luft ist. Wenn die Schlagwetterkonzentration 5 bis 15 Prozent des Luftvolumens erreicht, entsteht ein explosives Gemisch, das bei Kontakt mit Flamme, Funken oder heißer Oberfläche zünden kann. Unter 5 Prozent entzündet es sich nicht; über 15 Prozent reicht der Sauerstoff zum Brennen nicht aus. Diese enge Explosionsspanne hat die Bergbausicherheitspraxis zwei Jahrhunderte lang geprägt.
Der Begriff "Schlagwetter" stammt aus dem Bergbau des 18. Jahrhunderts, wo "Wetter" in Gruben jedes schädliche Gas bezeichnete. Das "Schlag"-Präfix unterschied es vom Sumpfgas (Kohlendioxid), das erstickt statt zu brennen. Deutsche Bergleute nannten es "Schlagwetter" und drückten damit seine plötzliche, heftige Natur aus. In der modernen Bergbausterminologie bleibt Schlagwetter der Standardbegriff in der Kohlenindustrie, obwohl das Gas selbst einfach Methan ist.
Vor elektronischen Sensoren nahmen Bergleute käfig weise Kanarienvögel oder Mäuse in neue Streckenteile mit; die Tiere kollabieren, bevor Methan gefährliche Werte erreicht. Moderne Gruben nutzen stationäre Luftüberwachung mit Infrarot- oder Katalysatorsensoren, die bei 1,25 Prozent Konzentration Alarme auslösen. Belüftung ist die Hauptkontrollmethode: Man führt große Mengen Frischluft durch Arbeitsbereiche, um Schlagwetter unter explosive Konzentration zu verdünnen. Schlecht belüftete Streckensackgassen und Dachhohlräume bleiben trotz Vorkehrungen Gefahrenzonen.
Tagebau vermeidet Schlagwetter ganz. Das Gas wird nur in tiefen Flözen signifikant zur Gefahr, wenn sie unterirdisch gewonnen werden, besonders bei flachen Flözen mit geringen Ausbauhöhen, wo leicht stille Taschen entstehen. Hartkohle (Anthrazit) und Bitumenkohle geben Schlagwetter ab; Braunkohle kaum. Aufgelassene Gruben geben noch Jahrzehnte nach der Schließung Methan ab und bilden für Erforscher oder Bergungsarbeiter ohne Belüftungsausrüstung Gefahren.
Historische Schlagwetterexplosionen töteten in einzelnen Unfällen Hunderte: Die Explosion in der Oaks Colliery in Yorkshire (1866) tötete 361 Arbeiter. Solche Katastrophen führten zu Investitionen in Grubenlampenentwicklung, Belüftungstechnik und schließlich zu Regelwerken für Methanüberwachung. Schlagwetter bleibt eine Hauptbeschränkung für Abbautempo und Arbeitsbedingungen in tiefen Kohlegruben, da es limitiert, wie viele Arbeiter in einem Streckenteil arbeiten können, und ständige Luftüberwachung erfordert.