Schmelzdraht
Englisch: fuse wire
Der dünne Draht in Sicherungen; bei älteren Sicherungen muss ein neuer Draht eingesetzt werden, wenn die Sicherung durchbrennt.
Schmelzleiter: der Opferleiter, der den Stromkreis unterbricht
Schmelzleiter sind absichtlich schwache Leiter, typischerweise aus einer Legierung von Blei und Zinn oder reinem Silber, die schmelzen, wenn der Strom einen bestimmten Grenzwert überschreitet. Bei zu hohem Stromfluss führt die Wärmeerzeugung durch Widerstand zum Schmelzen und zum physikalischen Durchtrennen des Leiters, wodurch der Stromkreis unterbrochen und die Stromversorgung der geschützten Ausrüstung abgeschnitten wird. Dies geschieht schneller, als ein mechanischer Schalter reagieren kann, und schützt vor Brandgefahr, Ausrüstungsschäden und Stromschlaggefahr.
Der Leiterdurchmesser und die Legierungszusammensetzung bestimmen den Schmelzstrom. Ein 5-Ampere-Schmelzleiter hat einen dünneren Querschnitt als ein 15-Ampere-Leiter aus dem gleichen Material und mit der gleichen Länge. Blei-Zinn-Legierungen sind am häufigsten in älteren Anlagen anzutreffen, weil sie zuverlässig bei gleichmäßigen Temperaturen schmelzen. Silberleiter schmelzen schneller und vorhersehbarer, sind aber teurer. Der Leiter wird unter Federspannung in einer Keramik- oder Glashülse gehalten, manchmal mit Sandfüllung, um den Lichtbogen zu löschen, der beim Durchbrennen des Leiters entsteht.
Warum ein Austausch notwendig ist
Bei Stöpsel-Schmelzsicherungen oder nachfüllbaren Sicherungen muss der Leiter nach dem Durchbrennen physikalisch ausgetauscht werden, da der Stromkreis nicht schließen kann, solange die Unterbrechung besteht. Das ist unbequem, zwingt den Benutzer aber, zu untersuchen, warum die Sicherung durchgebrannt ist, anstatt einfach einen Schalter zurückzusetzen. Bei modernen Patrone-Schmelzsicherungen wird die ganze Sicherung entsorgt und ausgetauscht, was sicherer ist, weil es das Risiko ausschließt, einen falschen Leiterdurchmesser oder einen beschädigten Leiter einzusetzen.
Die Auswahl des Schmelzleiters ist kritisch. Ein zu hoher Bemessungsstrom hebt den Schutz auf; ein zu dünner Leiter führt zu unnötigen Auslösungen im Normalbetrieb. Industrielle Anlagen sind weitgehend auf Leitungsschutzschalter übergegangen, weil diese automatisch zurückgestellt werden, schneller auf Fehlerzustände reagieren und keine Mehrdeutigkeiten bei der Auswahl zulassen. Schmelzleiter sind in älteren Schaltanlagen, Kraftfahrzeugschaltungen und Anwendungen, wo Einfachheit und Kostenersparnis den Austausch rechtfertigen, noch verbreitet.