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Fertigung

Gazar

Englisch: gazar

Eine Seidenorganza, ein leichtes Gewebe in Leinwandbindung.

Gazar: steife Seidentafft für strukturierte Kleidungsstücke

Gazar ist ein leichtes Leinwandbindungsgewebe aus Seidenfilamentgarnen, das sich durch eine knackige Griffigkeit und ausgeprägten Körper auszeichnet. Das Gewebe wiegt typischerweise zwischen 40 und 60 Gramm pro Quadratmeter und ist damit erheblich leichter als herkömmliche Seidenttafft, behält aber eine bemerkenswerte Dimensionsstabilität. Die Steifheit entsteht durch die Verdreh- und Verflechtungsweise der Garne in Verbindung mit den natürlichen Eigenschaften von Rohseide, die nur minimal entgummt wurde und noch Rückstände von Sericin in der Faser enthält.

Die Leinwandbindung, bei der Kette und Schuss sich nach dem Prinzip eins über eins kreuzen, ist grundlegend für den Charakter von Gazar. Anders als schwerere, dichter verwebte Gewebe ermöglicht Gazars offene Bindung dem Licht, hindurchzudringen, während die steifen Garne verhindern, dass der Stoff weich fällt. Die Fadendichte liegt typischerweise bei etwa 80 bis 100 Fäden pro Inch in der Kette und ähnlich in der Schuss. Dies ergibt ein Gewebe mit ausgezeichneter Knackigkeit, aber gewisser Transparenz, was es in vielen Anwendungen eher als Einlage als als eigenständiges Modegarn geeignet macht.

In der Schneiderei und Konfektionsfertigung dient Gazar in erster Linie als Basis- und Stützschicht. Es verleiht Ballkleidern strukturierte Festigkeit und wird verwendet, um Volumen zu schaffen und architektonische Silhouetten zu halten. Hutmacher nutzen Gazar zum Blockieren und Verstärken, weil der Stoff Dampf und Hitze verträgt, ohne seine Dimensionsstabilität zu verlieren. Das Gewebe findet sich auch in der Haute Couture als Einlage in Jacken und Mänteln, wo seine Knackigkeit dem Außenstoff Körper und Spannung verleiht.

Verarbeitung und Beschaffung

Gazar wird in Seidentextilfabriken in Indien, Japan und in geringerem Maß in Italien und Frankreich hergestellt. Der Name leitet sich von Gaza ab, dem historischen Mittelmeerhafen, der mit feinen Textilien verbunden ist, obwohl sich die Produktion dorthin seit Jahrhunderten nicht mehr konzentriert. Die meisten Gazar-Webereien verwenden entgummte Rohseide oder gezwirnte Seide mit relativ geringem Dreh, was die natürliche Steifheit der Faser zum Ausdruck bringt. Einige Hersteller veredeln Gazar leicht mit Appretur oder Stärke, um die Knackigkeit zu verstärken, doch eine rein gummte Version erfordert sorgfältiges Handling beim Zuschneiden und Nähen, da übermäßige Hitze oder Feuchtigkeit die Gewebestruktur beeinträchtigen kann.

Der hauptsächliche Nachteil von Gazar ist seine Sprödigkeit bei älteren oder häufig gehandhabten Exemplaren. Wiederholtes Falten entlang derselben Faltenlinien kann zu permanenten Knitterfalten führen, und längere Lagerung unter trockenen Bedingungen kann das Gewebe anfällig für Risse während der Verarbeitung machen. Nahtrutsch ist ebenfalls ein Problem, da die Leinwandbindung und die moderate Fadendichte bewirken, dass sich Fäden unter Spannung verschieben können. Diese Einschränkungen beschränken den Einsatz von Gazar auf technische Rollen statt auf primäre Modeanwendungen, und erfahrene Näherinnen verstärken Nähte normalerweise mit kleinen Stichen und manchmal französischen Nähten, um eine Trennung zu verhindern.

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