Grünfutter
Englisch: green meat
Lebensmittel oder Futter aus Kräutern, Pflanzen oder Gemüse.
Grünfutter: frisches Grün als Raufutter für Nutztiere
Grünfutter bezeichnet frisches Blattwerk, das als Raufutter für Nutztiere geerntet wird, normalerweise in frühen Wachstumsphasen, wenn Nährstoffdichte und Verdaulichkeit am höchsten sind. Typische Beispiele sind Klee, Luzerne, Wicken und verschiedene Gräser, die frisch verfüttert oder leicht angewelkt statt als trockenes Heu gelagert werden. Der Begriff ist besonders in der britischen und Commonwealth-Landwirtschaft verbreitet, das Konzept ist aber überall dort Standard, wo Nutztiere auf bewirtschafteten Weiden grasen oder geschnittenes Futter bekommen.
Der Wert von Grünfutter liegt in seinem Wassergehalt, in löslichen Kohlenhydraten und im Proteingehalt. Eine frisch geerntete Kleesaat im Knospenstadium kann beispielsweise 20 bis 25 Prozent Rohprotein in der Trockensubstanz enthalten, gegenüber 15 bis 18 Prozent nach Trocknung und Lagerung. Rinder, Schafe und Milchherden fressen Grünfutter bereitwilliger als reifes Heu, und die Verdaulichkeitsraten liegen typischerweise um 5 bis 10 Prozentpunkte höher. Das macht Grünfütterung besonders wirtschaftlich in der Wachstumssaison, wenn Produktionskosten am niedrigsten sind.
Grünfutter wird frisch verfüttert oder 12 bis 24 Stunden angewelkt, bevor es verfüttert wird. Das reduziert den Wassergehalt leicht und verbessert die Schmackhaftigkeit, ohne den Energieverlust einer vollständigen Trocknung. Geschnittenes Grünfutter beginnt zu gären, wenn es in Haufen ohne Sauerstoff lagert, daher ist schnelle Verfütterung oder Silierung erforderlich. Landwirte verwendeten Grünfutter früher, um Lücken zwischen spätem Winterheu und Frühlingsweidewuchs zu überbrücken, wenn eingestalltes Vieh Ergänzung brauchte, aber die Winterfuttervorräte zur Neige gingen.
Bewirtschaftung und saisonale Bedeutung
Produktive Grünfutterkulturen sind Klee, Luzerne, Ackerbohnen und Welsches Weidelgras, die speziell zum Schneiden statt zum Weiden angebaut werden. Der Schnittzeitpunkt ist entscheidend: zu früh ergibt unreifes Grün mit hohem Wasser und geringerem Ertrag; zu spät erhöht den Fasergehalt und senkt die Verdaulichkeit. Wiederholte Schnitte über die Saison reduzieren die Pflanzenvitalität, daher sehen Bewirtschaftungszyklen normalerweise 4 bis 6 Wochen Erholungszeit zwischen den Schnitten vor. Manche Betriebe setzen 5 bis 15 Prozent der Ackerfläche für Grünfutterproduktion als Fruchtfolgekultur zur Bodenverbesserung ein.
Die Unterscheidung zwischen Grünfutter und Silage ist wichtig: Silage wird unter anaeroben Bedingungen für Langzeitlagerung fermentiert, während Grünfutter frisch oder innerhalb weniger Tage verfüttert wird. Grünfutter erscheint in modernen Futterbilanzen nicht mehr als eigenständiger Posten wie früher, teilweise weil verbesserte Futterkonservierung und ganzjährige Stallhaltungssysteme saisonale Futterlücken reduziert haben. Allerdings nutzen Bio- und niedrig-intensiv wirtschaftende Betriebe Grünfutterkulturen weiterhin für ihre Bodenfruchtbarkeit und die Nutztierernährung.