harveyisieren
Englisch: harveyize
Nach dem Harvey-Verfahren behandeln oder bearbeiten.
harveyize: Panzerungsstahl durch Oberflächenhärtung verfestigt
Harveyieren bedeutet, das Harvey-Verfahren auf Stahl anzuwenden, ein Oberflächenhärtungsverfahren aus den 1880er Jahren für Panzerplatten. Die Methode besteht darin, Stahl auf hohe Temperatur zu erhitzen und dann eine kohlenstoffreiche Mischung (typischerweise verkohltes Knochenmehl, Holzkohle und andere kohlenstoffhaltige Stoffe) auf die freigelegte Oberfläche aufzuspritzen. Dies erzeugt eine dichte, harte äußere Schicht, während das Innere relativ zäh bleibt und so eine Panzerung entsteht, die Durchschlägen widersteht, ohne die Sprödigkeit vollständig gehärteten Stahls zu zeigen.
Das Verfahren funktionierte durch Diffusion von Kohlenstoff in die Stahloberfläche mittels längerer Wärmezufuhr in einer verschlossenen Kammer oder Grube. Die Aufkohlungsmischung musste gleichmäßig aufgebracht werden und die Temperatur präzise gehalten werden, typischerweise im Bereich von 900 bis 1000 Grad Celsius, über viele Stunden hinweg. Nach dem Abkühlen entstand eine Schichthärte-Platte mit einer Oberflächenhärte nach Brinell deutlich höher als im Kern, was der Marine- und Militärpanzerung ihre charakteristische Widerstandskraft gegen hochgeschwindige Geschosse verlieh.
Warum es bedeutsam war und warum es verschwand
Harveyieren wurde zur Standard-Panzerungsbehandlung für Schlachtschiffbau im späten 19. Jahrhundert und konkurrierte direkt mit dem Krupp-Verfahren, das ähnliche Härte durch andere Chemie und Werkzeuge erzielte. Das Harvey-Verfahren benötigte umfangreiche Infrastruktur: beheizte Gruben, präzise Temperaturkontrolle und lange Verweilzeiten, weshalb es nur für große Gießereien und Panzerwerke geeignet war. Das Verfahren wurde im Laufe der Zeit durch effizientere Härtungsmethoden verdrängt, doch der Begriff blieb in der metallurgischen Literatur und Panzerproduktion bis ins frühe 20. Jahrhundert bestehen.
Eine harveyierte Platte könnte eine Oberflächenhärte von 450 bis 500 Brinell haben, während die Kernhärte bei 250 bis 300 Brinell liegt, ein Gleichgewicht, das sich gegen die Artillerie der damaligen Zeit bewährte. Das Verfahren war langsam, teuer und hing von präziser Kontrolle von Temperatur und Atmosphäre ab, weshalb Qualitätsschwankungen ein ständiges Problem darstellten. Größere Hersteller entwickelten proprietäre Abwandlungen der grundlegenden Harvey-Methode, doch die Ergebnisse wurden immer durch Beschussprüfung statt einfacher Härtezahlen gemessen.