Einguss
Englisch: ingate
Die Öffnung in einer Form zum Eingießen des Metalls; das Gießtor.
Anguss: der Kanal, durch den flüssiges Metall in eine Gussform läuft
Ein Anguss ist die Öffnung, durch die flüssiges Metall beim Gießen in eine Gussform läuft. Er verbindet das Risernsystem, das Netzwerk von Kanälen in der Form, direkt mit der Formhöhlung. Der Begriff wird in der Gießerei gleichbedeutend mit Guss verwendet, wobei Guss auch das erstarrte Metall bezeichnen kann, das nach dem Gießen in diesem Kanal verbleibt.
Die Lage, Größe und Form des Angusses beeinflussen direkt, wie das Metall in die Höhlung fließt. Ein schlecht gestalteter Anguss kann zu Turbulenzen führen und Luft einschließen, was zu Porositätsfehlern führt; ein zu kleiner Anguss unterversorgt die Höhlung und erzeugt unvollständige Gussteile; ein zu großer Anguss verschwendet Metall und erfordert zusätzliche Nacharbeiten. Angüsse sind typischerweise verjüngt ausgebildet, um einen sanften Übergang vom Riser zur Höhlung zu schaffen. Typische Angussgeschwindigkeiten liegen bei 0,9 bis 1,5 m/s für Eisen und Stahl.
Verschiedene Gussverfahren verwenden unterschiedliche Angusskonfigurationen. Bei der Sandformgießerei haben Angüsse oft rechteckige oder kreisförmige Querschnitte und werden als Teil der Formhöhlung hergestellt. Bei der Dauerformgießerei können Angüsse in die Metallform selbst eingearbeitet werden. Bei der Druckgießerei sind es präzisionsgefräste Öffnungen, die wiederholte thermische Belastung aushalten müssen. Die Anzahl der Angüsse an einer einzelnen Formhöhlung hängt von ihrer Größe und Komplexität ab: Ein großer Guss kann mehrere Angüsse haben, die so positioniert sind, dass die Höhlung gleichmäßig gefüllt wird und Fehler minimiert werden.
Der Anguss muss so positioniert werden, dass das Metall nicht direkt auf die Formwand trifft, da dies zu Erosion, Narbenbildung und Sandauswaschung bei Sandformen führt. Aus diesem Grund mündet der Anguss oft in ein Becken oder Sammelbehälter, das sogenannte Gießtrichter oder Poliertrichter, bevor das Metall durch den Hauptriser fließt. Nach der Erstarrung werden Anguss und Risersystem vom fertigen Guss abgetrennt, wodurch Grat und Verschnitt entstehen, die maschinell oder geschliffen werden müssen.
Da der Anguss der letzte Teil der Form ist, der sich füllt, und der erste, der bei der Abkühlung des Gusses erstarrt, ist er eine natürliche Stelle für Schwindungsporenbildung. Gießereitechniker verwenden oft eine Technik namens Angussversorgung, bei der der Anguss gezielt so positioniert wird, dass er länger flüssig bleibt als der Hauptgusskörper und so flüssiges Metall in die Höhlung zurück fließen kann, wenn diese schrumpft. Dies erfordert eine sorgfältige Berechnung der thermischen Masse und Isolierung des Angusses.