IVIS
Abkürzung für In-Vehicle Information System; ein Informationssystem im Fahrzeug.
IVIS: der Bordcomputer, der das digitale Leben deines Autos steuert
Ein In-Vehicle-Information-System ist die integrierte Elektronikplattform, die Infotainment, Navigation, Klimaanlage und Fahrerassistenzsysteme über einen zentralen Touchscreen oder eine Sprachschnittstelle verwaltet. Sie bildet das Herzstück der modernen Fahrzeugkabinentechnik und ersetzt die frühere Ära separater Radio-, Navigationssystem- und Klimageräte durch ein einheitliches digitales Steuergerät, das mit Motormanagement, Sicherheitssystemen und externen Netzwerken kommuniziert.
Die meisten IVIS-Installationen laufen auf proprietären Betriebssystemen von Automobilzulieferern wie Bosch, Harman oder Visteon, wobei einige Hersteller inzwischen Android Automotive oder Linux-Varianten einsetzen. Die Hardware besteht typischerweise aus einer Zentraleinheit (oft ARM-basiert), zwischen 4 und 8 Gigabyte RAM und Flash-Speicher von 32 bis 128 Gigabyte. Die Displaygrößen sind von 7-Zoll-Bildschirmen in den 2010er Jahren auf 10 bis 15-Zoll-Touchscreens in aktuellen Modellen gewachsen, teilweise über die volle Dashboardbreite verteilt.
Vernetzung und Integration
Moderne IVIS-Systeme verbinden Fahrzeugsensoren und Aktoren über CAN-Busse (Controller Area Network), wodurch das System Reifendruck, Tankstand, Motordiagnosen und Getriebefahrweise überwachen kann. Sie verbinden sich mit Smartphones per Bluetooth oder USB für Telefonate, Nachrichten und App-Spiegelung (Apple CarPlay, Android Auto). Zunehmend unterstützen sie LTE oder 5G für Over-the-Air-Updates, Cloud-basierte Services und Live-Verkehrsdaten. Einige Systeme erfassen Eingaben von Fahrerüberwachungskameras oder Belegungssensoren, die in Sicherheitsalgorithmen einfließen.
Häufige Fehlerquellen sind der Verlust der Touchscreen-Empfindlichkeit durch elektrisches Rauschen aus Hochspannungssystemen, Softwareabstürze, die Neustarts erforderlich machen, und Verbindungsabbrüche bei Degradation der CAN-Bus-Kommunikation. Nachrüst-IVIS-Einheiten in älteren Fahrzeugen haben oft Schwierigkeiten mit der CAN-Integration bei Modellen, die nicht für Nachrüstung ausgelegt sind, was zu unvollständigen Instrumentencluster-Updates oder Verlust von Lenkrad-Steuerfunktionen führt.
Der Begriff IVIS entstand in den 1990er Jahren, als Autohersteller begannen, Display- und Steuerfunktionen zu konsolidieren. Er bleibt ein generischer Branchenbegriff, wobei einzelne Hersteller ihre Systeme unterschiedlich bezeichnen: BMW nennt seines iDrive, Audi verwendet MMI und Tesla verweist auf sein zentrales Display als "Touchscreen". In europäischen und asiatischen Märkten ist IVIS der standardisierte technische Begriff in Servicebulletins und behördlicher Dokumentation.