Kettenstich
Englisch: lockstitch
Ein Stich einer Nähmaschine, bei dem zwei Fäden miteinander verschlungen sind.
Lockstich: die verflochtenen Fäden, die den Stoff zusammenhalten
Ein Lockstich entsteht, wenn zwei separate Fäden, einer von oben und einer von unten durch den Stoff, sich ineinander verflechten. Der obere Faden (von der Nadel) führt durch den Stoff, während der Spulenfaden von unten aufsteigt und ihn trifft. Sie kreuzen und verriegeln sich in der Mitte der Stoffdicke. Diese gegenseitige Verflechtung gibt dem Stich seine Festigkeit und Dauerhaftigkeit und macht ihn zum Standard für Konfektionierung, Nähte und jede Anwendung, bei der Fadenbruch zum Ausfall des Produkts führt.
Der Mechanismus beruht auf einer präzisen Abstimmung zwischen Nadelbewegung und Spulenrotation. Wenn die Nadel nach dem Durchstechen des Stoffes aufsteigt, bildet sie eine Schlaufe (der Nadelfaden), die der rotierende Spulenhaken ergreift und durchzieht. Die Spannung auf beiden Fäden muss ausgeglichen sein, damit der Verriegelungspunkt mittig im Stoff sitzt und nicht zu einer Oberfläche hin verschoben ist. Unausgeglichene Spannung führt dazu, dass sich der Stich kräuselt, schwächer wird oder sich zur Ober- oder Unterseite der Naht verschiebt.
Lockstich gegen Kettenstich
Im Gegensatz zu einem Kettenstich, bei dem ein einzelner Faden Schlaufen über die Stoffoberfläche bildet und ausfasern kann, wenn er durchtrennt wird, lässt sich ein Lockstich nicht auflösen, indem man den Faden von einem Ende zieht. Jede Kreuzungsstelle ist mechanisch verriegelt, wodurch das Kleidungsstück stabil bleibt, auch wenn einzelne Stiche beschädigt sind. Deshalb dominieren Lockstichmaschinen die Konfektionsfertigung, während Kettenstichmaschinen auf bestimmte Arbeitskleidung oder Industrietextilien beschränkt sind, bei denen die sichtbare Kette akzeptabel oder sogar erwünscht ist.
Lockstichmaschinen laufen mit Geschwindigkeiten von 1000 bis über 5000 Stichen pro Minute, je nach Nadelstärke, Fadenstärke und Stoffart. Industriemaschinen haben oft automatische Fadenspannungsregelung, Nadeleinfädler und programmierbare Stichmuster. Die Maschine muss regelmäßig gewartet werden, da jede Fehlausrichtung der Nadelstange, der Spulentaktung oder des Nähfußdrucks die Stichqualität innerhalb weniger Betriebsstunden verschlechtert.
Die Stichdichte (Stiche pro Zoll) wirkt sich auf Aussehen und Haltbarkeit aus. Feine Stoffe können 16 bis 20 Stiche pro Zoll verwenden, um Kräuseln und Abweichungen zu vermeiden, während schwere Arbeitskleidung 8 bis 12 Stiche pro Zoll für Geschwindigkeit und Fadenersparnis nutzt. Die Fadenwahl ist gleich wichtig: Polyesterkernspinnfaden verträgt Spannungsschwankungen besser als 100 Prozent Baumwolle, die unter Maschinenspannung mit der Zeit dehnt und schwächer wird.