magnetischer Kreis
Englisch: magnetic circuit
Ein geschlossener Weg des magnetischen Flusses.
Magnetischer Kreis: die Schleife, die unsichtbare Kraft lenkt
Ein magnetischer Kreis ist ein geschlossener Weg, durch den der magnetische Fluss fließt, ähnlich wie elektrischer Strom durch einen elektrischen Stromkreis. Der Weg wird durch ferromagnetische Materialien (Eisen, Stahl, Nickel) gebildet, die den magnetischen Fluss deutlich effizienter leiten als Luft oder nicht-magnetische Stoffe. In einem typischen Transformator oder Elektromotor besteht der magnetische Kreis aus dem Eisenkern, der die Wicklungen verbindet und ermöglicht, dass das von einer Spule erzeugte Magnetfeld effizient an eine andere Spule gekoppelt wird.
Die Wirksamkeit eines magnetischen Kreises hängt von seiner Reluktanz ab, dem magnetischen Äquivalent des elektrischen Widerstands. Die Reluktanz nimmt mit der Länge des Weges zu und sinkt mit größerer Querschnittsfläche und höherer Permeabilität des Kernmaterials. Eisenkerne haben typischerweise Permeabilität um das 100- bis 5000-Fache höher als Luft. Deshalb erzeugt die Umhüllung von Spulen mit Eisen statt sie in Luft zu lassen wesentlich stärkere und besser kontrollierte Magnetfelder. Luftspalte im magnetischen Kreis, auch kleine, erhöhen die Reluktanz stark und senken die Flussdichte.
Bei praktischen Geräten erfordert die Auslegung eines magnetischen Kreises Kompromisse zwischen Kernsättigung und Wirkungsgrad. Wird der Eisenkern zu hart beansprucht (zu hoher Strom oder zu hohe Frequenz), tritt Sättigung auf: die Permeabilität fällt stark ab und zusätzliche Magnetisierungskraft erzeugt kaum noch zusätzlichen Fluss. Dies führt zu Überheizung, verringerter Leistung und Geräuschen. Konstrukteure wählen Kernmaterialien, Querschnitte und Längen so, dass die magnetische Feldstärke (H) in einem Bereich liegt, in dem das Material linear arbeitet und keine übermäßigen Verluste entstehen.
Ferrit und Elektrobleche sind häufige Kernmaterialien. Blechkerne aus dünnen, voneinander isolierten Stahlblechen reduzieren Wirbelstromverluste in Wechselstrom-Anwendungen. Ferrit (ein keramisches magnetisches Material) funktioniert gut bei hohen Frequenzen, weil seine niedrigere Leitfähigkeit unerwünschte Wirbelströme begrenzt. Pulverkerne aus Eisen bieten verstellbare Permeabilität und werden in Drosseln verwendet, wo ein gewisser Luftspalt-Effekt erwünscht ist.
Das Konzept geht über einfache Transformatoren hinaus. In rotierenden Maschinen führt der magnetische Kreis typischerweise durch den Stator und Rotor, wobei der Luftspalt zwischen ihnen den Arbeitsfluss trägt. In Relais und Elektromagneten muss der Kreis sich schließen, wenn die Spule erregt wird; die Qualität dieses Schlusses bestimmt die Haltekraft und Schaltungszuverlässigkeit. Schlechte Auslegung des magnetischen Kreises (falsche Materialien, unbeabsichtigte Spalte, unzureichender Querschnitt) ist eine häufige Ursache für schwache Elektromagnete und ineffiziente induktive Geräte.