magneto-optischer Kerr-Effekt
Englisch: magneto-optic Kerr effect
Ein magneto-optischer Effekt, bei dem Licht von einer magnetisierten Oberfläche reflektiert wird und sowohl die Polarisation als auch die Reflexionsintensität ändern kann.
Kerr-Effekt: Magnetismus dreht reflektiertes Licht
Der magnetooptische Kerr-Effekt (MOKE) beschreibt, was passiert, wenn linear polarisiertes Licht von einer magnetisierten Oberfläche reflektiert wird und sich sein Polarisationszustand verändert. Der Drehwinkel ist proportional zur Magnetisierung des Materials, typischerweise im Bereich von Milligrad bis zu einigen Grad, abhängig von Material, Wellenlänge und Einfallswinkel. Dies macht MOKE zu einer direkten optischen Messmethode für oberflächliche und naheoberflächliche magnetische Eigenschaften, ohne dass Kontakt oder Probenpräparation notwendig ist.
Der Effekt tritt auf, weil Magnetisierung die Symmetrie der optischen Antwort des Materials bricht. Wenn ein ferromagnetisches Material magnetisiert wird, entwickelt sein Elektronensystem eine bevorzugte Richtung. Lichtwellen wechselwirken mit dieser asymmetrischen Umgebung je nach ihrer Polarisation relativ zur Magnetisierungsrichtung unterschiedlich. Die Wechselwirkung erzeugt eine Phasenverschiebung zwischen den Komponenten des reflektierten Lichts und dreht damit den gesamten Polarisationszustand. Die Stärke dieser Drehung hängt von der Komponente der Magnetisierung senkrecht zur Einfallsebene des Lichts ab (polarer MOKE), parallel zu ihr (longitudinaler MOKE) oder in der Oberflächenebene (transversaler MOKE).
Praktische Messung und Materialien
MOKE-Geräte nutzen typischerweise einen Laser (häufig HeNe bei 633 nm oder Festkörperquellen im sichtbaren bis nahinfraroten Bereich), Polarisationsoptiken, die magnetisierte Probe, einen Analysator und einen Fotodetektor. Die Probe wird üblicherweise in einem Magnetfeld gehalten, um ihren Magnetisierungszustand zu steuern. Drehwinkel werden durch Analyse der Intensitätsänderungen extrahiert, wenn der Analysator gedreht wird. Mit entsprechender optischer Auslegung und Phasendetektion können Empfindlichkeiten im Sub-Milligrad-Bereich erreicht werden. Die Methode ist besonders wertvoll zum Vermessen dünner magnetischer Schichten, Mehrfachschichtsystemen und magnetischen Domänenstrukturen in ferromagnetischen Metallen (Fe, Ni, Co), Legierungen und Oxiden.
Die Bezeichnung bezieht sich auf ihren Entdecker: Der schottische Physiker John Kerr beobachtete den Effekt 1876 mit reflektiertem Licht und einer magnetisierten Eisenoberfläche. Der Begriff 'magnetooptisch' fasst ihn mit anderen Phänomenen zusammen, bei denen Magnetfelder optische Eigenschaften beeinflussen, wie beispielsweise der Faraday-Effekt (Drehung von durchgehendem Licht). MOKE ist grundsätzlich oberflächenempfindlich, weil die optische Eindringtiefe in den meisten Leitern gering ist, typischerweise 10 bis 50 nm, was es zu einer Ergänzung zu Verfahren der Magnetisierungsmessung wie Vibrating-Sample-Magnetometrie macht.
Häufige Fehlerquellen sind Verwechslungen mit dem Faraday-Effekt (bei dem Licht durch ein durchsichtiges Medium durchgeht) und falsche Zuordnung gemessener Signale zur Magnetisierung, wenn diese tatsächlich durch Dichroismus, lineare Doppelbrechung oder Probenoberflächen-Topographie entstehen. Temperatureffekte und magnetokristalline Anisotropie können die Interpretation des rohen Drehwinkels erschweren. Das Verfahren erfordert eine sorgfältige Kalibrierung des optischen Strahlengangs und Kenntnisse des Brechungsindex des Materials, um absolute Magnetisierungswerte statt nur relativer Änderungen zu erhalten.