Motorwagen
Englisch: motor coach
Ein angetriebenes Eisenbahnfahrzeug für den Personenverkehr, das andere Eisenbahnwagen ziehen oder schieben kann, im Gegensatz zu einem Triebwagen mit Fahrerstand an beiden Enden.
Motorwagen: selbstangetriebene Personenlok für Schienenpersonenverkehr
Ein Motorwagen ist ein selbstfahrendes Eisenbahnfahrzeug, das Personenwagen über fest verlegte Gleise zieht. Im Unterschied zu einem einfachen Schienenwagen, der als einzelne Einheit mit Führerständen an beiden Enden konzipiert ist und unabhängig betrieben werden kann, funktioniert ein Motorwagen als eigentliche Lokomotive. Er erzeugt seine Antriebskraft durch Diesel-, Elektro- oder gelegentlich Gasturbinenmotoren, um einen Zug aus Personenwagen hinter sich herzuziehen oder zu schieben.
Der Begriff umfasst mehrere Bauarten. In Nordamerika bezeichnet der Motorwagen typischerweise eine Lokomotive mit integriertem Fahrgastplatz in der Führerkabine oder unmittelbar angrenzenden Räumen und erheblicher Zugkraft für 4 bis 12 Personenwagen. Europäische Regionaldienste verwenden oft Gelenkmoitorwagen, bei denen Motorraum und Fahrgasträume eine starre oder halbstarre Einheit bilden. Diesel-Hydraulik- oder Diesel-Elektrik-Getriebe dominieren in frachtlastigen Regionen, während elektrifizierte Bahnen vermehrt Motorwagen einsetzen, die über Fahrleitungen oder Stromschienen versorgt werden.
Motorwagen unterscheiden sich grundlegend von Schienenwagen in Traktion und Steuerung. Ein Schienenwagen verlässt sich auf verteiltes Gewicht und Reibung über mehrere Achsen; ein Motorwagen konzentriert die Motorleistung auf einen kleineren Radstand, typischerweise 30 bis 50 Tonnen bei Regionaleinsätzen, bis 120 Tonnen bei schwerem Fernverkehrsmaterial. Der Motorwagen muss Zugkraft liefern, die ausreicht, um Rollwiderstand, Steigungswiderstand und Beschleunigungslasten über die gesamte Zugformation zu überwinden. Typische Diesel-Motorwagen leisten 800 bis 2.000 Pferdestärken; Elektrovarianten können auf Stadtlinien über 4.000 Kilowatt erreichen.
Instandhaltung und betriebliche Vorgaben
Die Zuverlässigkeit eines Motorwagens hängt vom Motorenzustand, der Getriebeflüssigkeitstemperatur und der Bremsleistung unter Dauerbelastung ab. Überhitzung, Kraftstoffverunreinigung und verschlissene Fahrmotoren sind häufige Ausfallursachen. Anders als in sich geschlossene Schienenwagen kann ein ausgefallener Motorwagen einen ganzen Zugverband lahmlegen. Regelmäßige Wartung von Einspritzdüsen, Luftfiltern und Elektroanlage ist unerlässlich; Elektrovarianten erfordern Überprüfung von Stromabnehmer und Widerstandsgittern. Viele Betreiber unterhalten spezielle Instandhaltungshöfe mit Grubenanlage und Prüfständen.
Der Motorwagen bleibt auf Regional- und Pendlerbahnen Standardausrüstung, verliert aber an Bedeutung auf hochleistungsfähigen Stadtlinien, wo Mehrfacheinheiten (bei denen jeder Wagen seinen eigenen Motor trägt) bessere Beschleunigung und gleichmäßigere Verschleißverteilung bieten. Industrielle Schienenverkehre, Museumsbahnen und sich entwickelnde Verkehrsnetze setzen nach wie vor stark auf eigentliche Motorwagen, um unbetriebene Personenwagen zu befördern.