negative Kristall
Englisch: negative crystal
Ein uniaxialer Kristall, wie Calcit, bei dem sich die außerordentliche Welle schneller ausbreitet als die ordentliche Welle.
Negativer Kristall: Der langsamere Weg des Lichts durch doppelbrechenden Stein
Ein negativer Kristall ist ein transparentes, optisch anisotropes Mineral, in dem sich Licht, das parallel zur optischen Achse polarisiert ist (der außerordentliche Strahl), schneller ausbreitet als Licht, das senkrecht dazu polarisiert ist (der ordentliche Strahl). Diese Umkehrung der Geschwindigkeit bedeutet, dass der außerordentliche Strahl einen niedrigeren Brechungsindex hat als der ordentliche Strahl, weshalb der Kristall die Bezeichnung "negativ" trägt. Kalkspat ist der historische Standard: sein ordentlicher Brechungsindex liegt bei etwa 1,658, während der außerordentliche Index bei sichtbaren Wellenlängen ungefähr 1,486 beträgt.
Das optische Verhalten geht auf die Kristallstruktur zurück. In negativen einachsigen Kristallen wie Kalkspat oder Isländer Spat sind die Atome so angeordnet, dass elektromagnetische Wellen, die entlang der optischen Achse schwingen, auf weniger Widerstand treffen als solche, die senkrecht dazu schwingen. Der Unterschied wird als Doppelbrechung quantifiziert, die Differenz zwischen den beiden Brechungsindizes; bei Kalkspat beträgt dies etwa 0,17 und macht ihn zu einem der stärksten negativ doppelbrechenden Materialien.
Praktische Anwendung und Erkennung
Negative Kristalle finden sich ständig in optischen Geräten. Kalkspat-Prismen in Polarimetern und bestimmten Spektroskopen nutzen die starke Doppelbrechung, um orthogonale Polarisationszustände zu trennen. Wellenplatten und Verzögererplatten nutzen negative Kristalle, um kontrollierte Phasenverzögerungen zwischen polarisierten Komponenten zu erzeugen. In der historischen Mikroskopie halfen Kalkspat-Kompensatoren beim Messen der Doppelbrechung von Proben. Der Begriff "negativ" unterscheidet diese Materialien von positiven Kristallen wie Quarz, bei dem der außerordentliche Strahl langsamer ist und den höheren Brechungsindex trägt.
Temperatur und Wellenlänge verschieben beide Brechungsindizes, ein Umstand, der bei präziser Arbeit wichtig ist. Die Doppelbrechung von Kalkspat nimmt leicht mit Erwärmung ab, und der Effekt variiert über das Spektrum hinweg, wobei kürzere Wellenlängen größere Indexwerte zeigen. Diese Dispersion kann die Trennung polarisierter Strahlen verschwimmen lassen, wenn sie bei der Konstruktion nicht berücksichtigt wird.
Die Einteilung in negativ-positiv stammt aus dem 19. Jahrhundert, als Wissenschaftler eine Kurzschrift brauchten, um zu beschreiben, wie Kristalle Licht aufteilen. Sie bleibt in der Optikliteratur und in der Konstruktionspraxis verankert, obwohl moderne Ansätze oft Jones-Vektoren oder Mueller-Matrizen verwenden, um mit Polarisation umzugehen. Für jeden, der mit polarisierender Optik arbeitet, ist es wichtig zu erkennen, ob ein doppelbrechendes Element negativ oder positiv ist, um sein Verhalten über den sichtbaren oder ultravioletten Bereich vorherzusagen.