OHLE
Abkürzung für Oberleitung; Stromleitungen und deren Tragegestelle, die Elektrozüge mit Strom versorgen.
OHLE: die Fahrleitungsanlage und Ausrüstung zur Stromversorgung von Elektrozügen
OHLE ist das komplette System aus Fahrleitungsdrähten, Tragekonstruktionen und elektrischer Ausrüstung, das Elektrozüge und Straßenbahnen mit Strom versorgt. Es umfasst die Fahrleitung (oder Kettenleitung), wo der Stromabnehmer Stromkontakt herstellt, den Tragseil, das sie trägt, die Masten oder Gittermasten, die alles halten, sowie Isolatoren, Verbinder und Trennvorrichtungen, die den Stromkreis steuern. Der Begriff wird vor allem in Europa verwendet; Eisenbahnen in Nordamerika bezeichnen die gleiche Infrastruktur oft als catenary oder overhead contact system.
Die Fahrleitung arbeitet typischerweise mit 15 kV oder 25 kV Wechselstrom auf Hauptstrecken, während urbane Nahverkehrssysteme 600 V oder 750 V Gleichstrom nutzen können. Der Draht selbst besteht meist aus Kupfer oder einer Kupferlegierung, gewählt wegen der Leitfähigkeit und Verschleißbeständigkeit gegen die Stromabnehmerschleife. Das Tragseil, oft aus Stahl oder Stahl-Kupfer-Verbundmaterial, trägt die mechanische Last, damit die Fahrleitung unter Spannung eine gleichbleibende Höhe und Zugkraft beibehält, wenn Züge darunter durchfahren. Beide müssen zwischen Stützen im Abstand von 40 bis 60 Metern auf typischen Vollbahnen überspannen, auf Straßenbahnnetzen manchmal viel enger.
Ein funktionierendes OHLE-System erfordert sorgfältige Aufmerksamkeit für Geometrie und elektrische Isolation. Die Fahrleitung hängt absichtlich unter Spannung durch, wodurch ein Wellenmuster entsteht, das den Verschleiß des Stromabnehmers verteilt und verhindert, dass sich an einer Stelle Dauerlichtbogen bilden. Isolatoren trennen Gleisabschnitte, um parallele Rückwege durch die Konstruktion selbst zu verhindern. Wenn Abschnitte zu Wartung oder zur Fehlerisolation getrennt werden müssen, sind Luftspalte von mindestens 100 mm Standard; Übergangsstücke ermöglichen dem Stromabnehmer, die Unterbrechung sanft zu überbrücken.
Verschleiß entsteht aus mehreren Quellen. Der Stromabnehmerkontakt erzeugt Verschleißrillen im Draht; ist der Anpressdruck zu hoch oder der Draht schlecht gewartet, beschleunigt sich das schnell. Korrosion greift Kupfer und Stahl an, besonders in Küsten- oder Industriegebieten. Windschwankungen können bei hoher Geschwindigkeit zum Kontaktverlust führen, und Eisanlagerung auf nördlichen Systemen kann die Drahtgeometrie soweit verschieben, dass der Stromabnehmer ihn ganz verfehlt. Ermüdungsrisse entstehen in Tragkonstruktionen durch zyklische Belastung beim Zugverkehr und Windböen.
Die OHLE-Instandhaltung ist kontinuierlich und anspruchsvoll. Inspektoren messen regelmäßig Fahrleitungshöhe, Spannung und Verschleißtiefe. Tragkonstruktionen werden auf Korrosion, Risse und Ausrichtung überprüft. In hochbelasteten Bereichen kann die Fahrleitung je nach Verkehrsintensität und lokalen Bedingungen alle 5 bis 15 Jahre erneuert werden. Moderne Systeme nutzen zunehmend automatisierte Fehler erkennung, darunter Photogrammetrie und Ultraschallprüfung von Tragarmen, um Probleme zu erfassen, bevor sie zu Betriebsunterbrechungen oder Sicherheitsrisiken führen.